White Paper G20plus
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Von der sozialen zur fairen Marktwirtschaft
Ökonomie aus humanem Geiste
Hans-Diedrich Kreft
Inhalt
Vorwort ........................................................................................................................2
Um was es hier geht....................................................................................................5
Automatisierung und Einkommenssicherheit...............................................................6
Bildungseinkommen am Beispiel erklärt......................................................................8
Apoll und Dionys..........................................................................................................9
Formen der Bildungsfinanzierung..............................................................................12
Prinzipien der Geldschöpfung....................................................................................13
Bildungseinkommen per Geldschöpfung finanziert. ..................................................16
Geldwertstabilität .......................................................................................................17
Reduzierung von Flüchtlingsströmen ........................................................................19
Deutschland muss sich bewegen ..............................................................................22
Weder Qualifizierungs- noch Wachstumswahn.........................................................23
Keine Definition von Intelligenz..................................................................................25
Vorteile einer fairen Marktwirtschaft ..........................................................................26
Wie kann es weitergehen? ........................................................................................29
Copyright by: Hans–Diedrich Kreft, dkreft@shuccle.de
Kopien, Textausschnitte sind bei Hinweis auf die Quelle vom Autor freigegeben.
Version V9a, August 2017
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Vorwort
Die Welt braucht eine neue, große Idee, die als Kompass in der Weltpolitik nutzbar
ist, für die sich Alt und Jung begeistern können.
In unserer bisherigen Welt zeigt die Kompassnadel durch chaotische Bewegungen
an, dass unsere Weltgesellschaft keinen ruhenden Pol, keine verlässliche
Perspektive hat. Je mehr die Nadel ausschlägt, desto mehr Populisten, Egoisten,
Seher kommen an die Macht und scheitern über kurz oder lang kläglich, weil sie den
ruhenden Pol, die neue Idee, die die Nadel zur Ruhe bringt, nicht bieten können.
Aber auch für uns, die wir an die Erneuerungskraft unserer demokratischen
Gesellschaft glauben, gilt es zu erkennen, dass große Wählergruppen zu
populistische Politikern abwandern, weil auch wir die überzeugende Idee nicht zu
bieten haben, so lange in unserer Welt die Reichen reicher, die Armen ärmer
werden.
Es ist höchste Zeit, die großartige Idee der sozialen Marktwirtschaft endlich
fortzuentwickeln. Dazu werden wir zeigen, dass eine Marktwirtschaft erst komplett
ist, wenn in ihr ein Bildungseinkommen eingeführt wird, das sich aus dem Erfolg
heraus finanziert, den Bildung selbst schafft. Bildung wird derart neben Arbeit zur
zweiten Wohlstandsquelle in unserer Gesellschaft. Naturgemäß steigt der Wohlstand
einer Gesellschaft, wenn er sich aus zwei Quellen speisen kann. Für die bisher vom
Einkommen aus Arbeit abhängigen Menschen heißt das konkret, mit dem
Bildungseinkommen gibt es eine Alternative zum Arbeitseinkommen. Wer keine
Arbeit hat oder sich aus freien Stücken entscheidet, eine Bildungsleistung zu
erbringen, weiß, dass ihm ein Einkommen zusteht. Das Einkommensmonopol der
Arbeit, das bisher für die meisten Menschen nicht zu umgehen war, ist beseitigt.
Eine Marktwirtschaft, die Bildung neben Arbeit als zweite Wohlstandsquelle nutzt,
nennen wir faire Marktwirtschaft.
Die Einführung eines Bildungseinkommens steht und fällt mit der Beantwortung einer
Frage: „Kann eine Wirtschaft funktionieren, wenn sich ein großer Teil der
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Vorwort
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arbeitsfähigen Menschen für eine Bildung entscheiden, die fernab von den
Anforderungen der Arbeitswelt liegt?“
Wir werden eine überraschende Antwort bekommen: „In einer zukünftigen Welt der
intelligenten Automaten ist die breite, kulturelle Bildung der Menschen die
entscheidende Voraussetzung für die Wohlstandsentwicklung ihrer Gesellschaft!“
Damit stehen wir vor einer neuartigen Gesellschaft, in der Ökonomie erfolgreich ist,
wenn sie die umfassende, kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft fördert und
finanziert. Der bisherige Gegensatz zwischen ökonomischem und kulturellem
Anspruch wird aufgehoben. Die Kulturschaffenden tragen zukünftig genau dann zum
ökonomischen Erfolg bei, wenn sie von der Arbeitswelt unabhängige, d.h. wenn sie
keine für die Arbeitswelt qualifizierenden Bildungswerte schaffen. Im Gegenzug
profitieren sie durch finanzielle Beteiligung am ökonomischen Erfolg.
Es wird gezeigt, dass all das zu erreichen ist, wenn das Bildungseinkommen aus
seinem eigenen Erfolg heraus streng nach marktwirtschaftlichen Mechanismen
finanziert wird. Es sind dieselben Mechanismen, die auch für die Finanzierung von
Arbeitsleistung bisher so erfolgreich zur Anwendung gekommen sind.
Daraus folgt, dass unsere Staatshaushalte von den riesigen Kosten zu entlasten
sind, die bisher zur Finanzierung der Bildung aus Haushaltsmitteln aufzuwenden
waren. Auch die riesigen Kosten des Sozialhaushalts zum Ausgleich der Nachteile
der Arbeitslosigkeit entfallen. Überschuldete Nationen können aus eigener Kraft
gesunden.
Flüchtlingsströme lassen sich beseitigen, weil jedes Land in dem Maße seinen
Bürgern ein Bildungseinkommen finanzieren kann, wie der Erfolg der Bildung
national absehbar ist.
Banken bekommen neue Finanzierungsmöglichkeiten, weil sie Geld an Staaten in
dem Maße für Bildungszwecke verleihen können, wie das Bildungseinkommen in der
Zukunft im betreffenden Staat Wohlstand schafft. Das Risiko für Banken wird somit
allein bestimmt von ihrer eigenen Einschätzung des Bildungserfolgs in den
geförderten Ländern. Das Risiko ist nicht größer als bei der Finanzierung einer
Infrastrukturinvestition im selben Land. Bildungsfinanzierung ist vergleichbar zur
Finanzierung von Projekten in der Real-Wirtschaft.
Letztlich finanzieren die Notenbanken die Bildungsleistung weltweit genau in dem
Umfang, wie die Wertschöpfung der Bildung sich weltweit selber trägt.
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Vorwort
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Wir sind in der technischen Welt mit unserer humanen Intelligenz bis zu dem
Meilenstein gekommen, von dem ab intelligente Automaten uns beim Lösen unserer
Probleme helfen werden. Es liegt die Idee zur Neuausrichtung unserer
Kompassnadele zum Greifen nah vor uns. Die technische Welt der intelligenten
Automaten wartet auf das, was sie selbst nicht leisten kann, ihren übergeordneten,
humanen Sinn. Den müssen wir ihr geben. Wie das zu unserer aller Vorteil so
geschehen, kann dass sich ein Wohlstand für alle einstellt, wird hier beschrieben.
Packen wir es richtig an, ist eine Welt des Friedens ohne Armut, Hunger,
Verelendung keine Utopie mehr. Es bedarf nur noch eines kleinen Schrittes und
jeder von uns, gleich, wo er in der Welt lebt, kann sich seinen Traum vom
individuellen Wohlstand erfüllen. Nur wenn wir Menschen diesen Traum leben, wird
niemand mehr über Mauern, Zäune, Meere hinweg zu den Wohlstandsoasen dieser
Welt streben.
Hier steht, was auf einem Weltwirtschaftsgipfel G20 oder anlässlich des
Weltwirtschaftsforums in Davos als Vorschlag auf der Tagesordnung stehen sollte.
Hans-Diedrich Kreft, August 2017
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Um was es hier geht
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Um was es hier geht
Hunger, Armut und wachsender Abstand zwischen Arm und Reich in den Nationen
und zwischen den Nationen lassen sich zukünftig beseitigen, wenn die Vorteile einer
fairen Marktwirtschaft, wie sie hier beschrieben sind, zur Anwendung kommen.
Mit dem Aufkommen intelligenter Automaten stehen wir vor neuen Aufgaben. Die
Zeit drängt, weil die intelligenten Automaten jeden Tag aufs Neue ihre Leistung unter
Beweis stellen und unsere Welt verändern. Ihr Einsatzbereich ist unvorstellbar groß.
So werden sie uns in der Arbeitswelt zeigen, dass ihnen ein Anschluss an eine
Steckdose reicht, um hochkomplexe Aufgaben zu erledigen, für die wir Menschen
neben einer hohen Qualifikation auch Essen, Wohnraum, Schlaf benötigen. Das hat
Vor- und Nachteile. Von Vorteil ist, dass wir zunehmend von Arbeit frei gestellt
werden. Der Anteil von Freizeit zu Arbeitszeit wird zunehmen. Der Nachteil ist, dass
wir vom Einkommen aus Arbeit, das bisher die tragende Säule unseres Wohlstands
war, entkoppelt werden. Millionen Menschen werden erleben, dass ihre Lernleistung
zum Erwerb einer beruflichen Qualifikation sie nicht vor Arbeitslosigkeit und damit
Einkommensverlust schützt, weil die nächste Generation der intelligenten Automaten
bereits vor ihrer Tür steht. Finden wir keine Lösung für diese Problematik, werden
die sozialen Unruhen zunehmen, Ströme von Wirtschaftsflüchtlingen sind
vorprogrammiert. Heilslehrer, Fanatiker und Populisten haben Hochkonjunktur.
Kurz: Wir brauchen eine Neuausrichtung unserer Sicht, in der die Wirkung der
intelligenter Automaten berücksichtigt ist.
Eine neuartige Erkenntnis wird sein, dass in einer fairen Marktwirtschaft der
Bildungsleistende Werte schafft, die von seiner Arbeitsleistung unabhängig sind und
damit nicht im Wettbewerb zur Leistung der Automaten stehen. Der
Bildungsleistende steht quasi außerhalb der Arena des Wettbewerbs mit Automaten.
Es wird sich sogar herausstellen, dass die zukünftige Welt der Automaten erst die
richtigen Werte schaffen kann, wenn der Bildungsleistende über einen ausreichend
breit angelegten, kulturellen Bildungshintergrund verfügt. Aus dieser neuen
Erkenntnis lässt sich ableiten, dass in einer fairen Marktwirtschaft der
Bildungsleistende für seine Werte schaffende Leistung mit einem
Bildungseinkommen zu entlohnen ist. Ist das geschafft, verfügen wir in unserer
zukünftigen Gesellschaft mit Arbeit und Bildung über zwei Wohlstandsquellen.
Neu ist, dass für die Finanzierung der Bildungsleistung in einer fairen Marktwirtschaft
die gleichen marktwirtschaftlichen Mechanismen der Geldschöpfung eingesetzt
werden, wie es auch bei der Zahlung eines Arbeitseinkommens der Fall ist. Damit ist
Bildung in einer zukünftigen Gesellschaft kein Kostenfaktor mehr. Bildung ist wie
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Automatisierung und Einkommenssicherheit
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Arbeit eine direkte Geldschöpfungsquelle, womit der Wohlstand weltweit deutlich
über das bisher erreichte Maß hinaus wachsen kann, weil zwei Wohlstandsquellen
am Wirken sind. Letztlich finanziert sich in einer fairen Marktwirtschaft ein
Bildungseinkommen aus dem Erfolg, den es selbst generiert.
Automatisierung und Einkommenssicherheit
Intelligente Automaten werden an unsere Stelle treten und für uns Waren,
Leistungen produzieren und Kontrollfunktionen übernehmen, ohne dass sie dazu
Essen, Kleidung, Wohnraum, Freizeit, kulturelle Angebote, Spiele, Spaß benötigen.
Sie werden uns mehr und mehr von Arbeit freistellen, weil ein Heer von Forschern,
Entwicklern, Ingenieuren, Erfindern mit jeder neuen Automatengeneration deren
Intelligenz verbessert. Je mehr intelligente Automaten am Wirken sind, desto größer
ist die Anzahl der Menschen, die ohne Arbeitseinkommen auskommen muss. Und
so steht eine Frage im Raum:
Wie ist in einer Welt, in der unsere Arbeitsplätze zunehmend
durch intelligente Automaten übernommen werden,
unser Einkommen gesichert?
Ein erster und wichtiger Schritt zu einer Antwort ist: Wir müssen uns von der
Vorstellung lösen, dass der Staat den Vorrang haben muss, wenn es um die
Gestaltung und Finanzierung unserer Bildung geht. Es ist seit ewigen Zeiten, längst
bevor es Staaten gab, das unteilbare Recht eines jeden Bürgers, seine individuelle
Bildung zu gestalten. Der Bürger ist der Souverän seiner Bildung. Das wird in
unserer zukünftigen Gesellschaft in besonderer Weise zu berücksichtigen sein.
Die Aufgabe des Staates bleibt es, junge Menschen bis zum Ende ihres 15ten
Lebensjahres in den Stand zu versetzen, sich nach freier, selbstbestimmter Wahl für
einen individuellen Lebensweg entscheiden zu können. Wer mit 16 Jahren seine
Muttersprache beherrscht, eine Fremdsprache spricht, um sich verständlich zu
machen oder um anderen helfen zu können, wer versteht, warum Demokratien auf
Pressefreiheit, unabhängige Richter und Gewaltenteilung angewiesen sind, wer den
Dreisatz beherrscht und abstraktes Denken durch die algebraischen Grundlagen der
Mathematik gelernt hat, wer mit einem Minimum an kulturellem Wissen ausgestattet
ist, der ist befähigt, seinen eigenen vom Staat unabhängigen Bildungsweg zu gehen.
Ist das geschafft, steht jungen Menschen eine Welt offen, in der ihr
Einkommensverlust durch Automatisierung mehr als kompensiert wird und in der sie
selbst entscheiden, welchen Bildungsweg sie einschlagen und wie sie ihr
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Automatisierung und Einkommenssicherheit
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Einkommen generieren. Wie dieser Bildungsweg für den individuellen Menschen zu
finanzieren ist, um in einer Welt der Automaten ein dauerhaftes Einkommen zu
sichern, wird durch eine faire Marktwirtschaft vorgegeben.
Der zweite, nicht minder bedeutende Schritt zu Beantwortung der Frage nach
unserer zukünftigen Einkommenssicherheit ist getan, wenn die Finanzierung von
Bildung die gleichen, mächtigen Mittel nutzen kann, wie sie durch Marktwirtschaften
für Finanzierung von Arbeitsleistung bereitgestellt werden. Ist das geschehen,
können wir ein Bildungseinkommen einführen, das unabhängig vom
Automatenerfolg von jedem Bürger erzielt werden kann.
Jeder lern- und bildungswillige Bürger soll zukünftig durch seine individuelle,
frei wählbare Lernleistung ein geregeltes, selbstbestimmtes
Bildungseinkommen erzielen können.
Wir streben eine Gesellschaft an, in der jeder Bürger seine arbeitsfreie Zeit nutzen
kann, um ein Bildungseinkommen zu erzielen. Mit dem Bildungseinkommen
bestimmen wir selbst, ob und wann wir eine Arbeits- oder eine Bildungsleistung
erbringen. Wer seinen Arbeitsplatz verliert oder ihn selbst aufgibt und sich nach
freier Wahl z. B. bei einer Volkshochschule für einen Kurs entscheidet, mit dem
nachprüfbare Lerninhalte vermittelt werden, ist ein Bildungsleistender (Lernender),
ihm steht ein Bildungseinkommen zu. Derart ist Einkommenssicherheit auch in einer
Welt der Automaten gewährleistet, weil neben Arbeit mit Bildung die zweite
Einkommensquelle nach freier Wahl erschlossen wird.
Die Einführung eines sich selbst tragenden Bildungseinkommens ist keine Utopie.
Milliarden einkommensloser Menschen, die hungernd und chancenlos die Erde
bevölkern, werden die Möglichkeit erhalten, sich aus eigener Kraft aus ihrem Elend
zu befreien.
Wird in diesem White-Paper von Bildung gesprochen, ist damit eine individuelle
Zusammenstellung der Kenntnisse und Fähigkeiten gemeint, die ein Mensch nutzen
kann, um seine Welt zu verändern. Die Aneignung der Kenntnisse, Fähigkeiten
geschieht durch Lernen. Vor diesem Hintergrund ist der Unterschied zwischen
Bildungs- und Arbeitsleistung offenkundig. Arbeitsleistung ändert etwas in der
„äußeren“ Welt, Lernleistung ändert etwas in unserer „inneren“ Welt. In diesem
Sinne geht Lernleistung der Arbeitsleistung voraus, weil wir uns erst Kenntnisse und
Fähigkeiten aneignen müssen, bevor wir sie zur Änderung der äußeren Welt
anwenden können. Wird von Bildungsleistung gesprochen, ist der Lernaufwand
gemeint, der zur Änderung unserer inneren Bildungswelt führt.
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Bildungseinkommen am Beispiel erklärt
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Bildungseinkommen am Beispiel erklärt
Was ein Bildungseinkommen für uns als einzelne Menschen bedeutet, soll hier am
Beispiel einer Fahrschülerin erklärt werden. Dazu setzen wir voraus, dass es eine
faire Marktwirtschaft bereits gibt, die das Bildungseinkommen für die Fahrschülerin
z. B. über eine neu geschaffene Agentur für Bildung bereitstellt. Ähnlich wie heute
bereits die Kosten eines mittleren Haushaltes über standardisierte Warenkörbe
ermittelt werden, sind bei der Agentur für Bildung die Kosten für all die
Ausbildungskurse bekannt, die Menschen aus freien Stücken nachfragen.
Für den Führerscheinerwerb ist also die mittlere Anzahl der Fahrstunden relevant
und es sind deren Kosten bekannt. Die Fahrschülerin weiß also, wie viel ihr an
Bildungseinkommen zusteht und wie viel davon für Fremdkosten z. B. für eine
Fahrschule und für Lehrmittel voraussichtlich entfallen. Schafft die Fahrschülerin die
Prüfung mit wenigen Fahrstunden, verbleibt ihr ein großer Differenzbetrag, der ihr
als frei verfügbares Bildungseinkommen zur Verfügung steht. Mit Übermittlung ihrer
erzielten Daten an die Agentur für Bildung trägt sie zur dortigen Aktualität der Daten
bei.
Das jeweils frei verfügbare Einkommen ist also beim Arbeits- wie beim
Bildungseinkommen ein Differenzbetrag, da wir auch vom Arbeitseinkommen all die
Kosten abziehen müssen, die als Voraussetzungen erforderlich sind, um unsere
Arbeitsleistung zu erbringen. Das sind z. B. Kosten für Miete, Arbeitsanreise,
Kleidung, Krankenkasse, Rentenbeitrag usw.
Dieser Unterschied zwischen Gesamteinkommen und frei verfügbarem Einkommen
ist für eine Marktwirtschaft wichtig, weil der einzelne Mensch derart preisbewusst
seine Fremdleistungen einkauft.
Parallel zum Fahrschulkurs kann die Fahrschülerin auch weitere Kurse, wie z. B.
Sprach-, Tanz-, Programmier- und Sportkurse belegen. Es ist in einer fairen
Marktwirtschaft dem Bildungsleistenden vollkommen freigestellt, welche Kurse
belegt werden. Sind sie als zertifizierte Kurse anerkannt so wie eine Fahrschule
ihre Zertifizierung haben muss ist für die/den Bildungsleistende/n bei der Agentur
für Bildung einzusehen, welches Bildungseinkommen für welchen Kurs bereit gestellt
wird. So kann sich jeder Bildungsleistende Kurse mit höherem bzw. geringerem
Fremdkostenanteilen in geeigneter Weise zusammenstellen. Damit ist jede/r
Bildungsleistende selbst für die Höhe seines Bildungseinkommens verantwortlich.
Viele Menschen werden Bildungsleistung erbringen, um sich für einen gut bezahlten
Job bewerben zu können. Die Chance dazu steigt, weil in einer fairen
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Apoll und Dionys
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Marktwirtschaft sich viele Menschen alternativ für die Erbringung einer
Bildungsleistung anstelle einer Arbeitsleistung entscheiden können und folglich am
Arbeitsmarkt fehlen.
Die Reihenfolge der Zeiten, in der Arbeits- bzw. Bildungsleistung erbracht wird, kann
also zukünftig jeder Mensch in einer fairen Marktwirtschaft selbst nach individuellen
Kriterien bestimmen. Davon profitieren insbesondere Familien, wenn Hausfrau/mann
nebenbei Kurse belegt, um sich z. B. auf einen Masterabschluss oder
Diplomabschluss vorzubereiten. Haben Jugendliche das 16. Lebensjahr erreicht,
werden sie mit ihrer Bildungsleistung selbst zu Einkommensempfängern, womit
Familien finanziell entlastet werden. Ebenso können Rentner Kurse belegen und ihr
Einkommen verbessern.
Naturgemäß tritt die Frage auf, ob bei freier Wahl von Bildungsgängen, noch
genügend qualifizierte Kräfte für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Mit
anderen Worten, kann eine Wirtschaft funktionieren, wenn sich die meisten
Menschen für eine Bildung entscheiden, die fernab von den Anforderungen der
Arbeitswelt liegt? Die naheliegende Antwort ist, dass der Unterschied zwischen
Arbeits- und Bildungseinkommen bestimmt, wie viele Menschen in die eine oder
andere Richtung streben. Ist die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch, werden
naturgemäß höherer Löhne angeboten, die Tendenz zur Aufnahme einer
Bildungsleistung wird abnehmen und umgekehrt. Mit dem Unterschied zwischen
Arbeits- und Bildungseinkommen wird also in einer fairen Marktwirtschaft austariert,
wie viele Menschen eine Bildungs- bzw. eine Arbeitsleistung erbringen.
Voraussichtlich wird das mittlere Arbeitseinkommen über dem des
Bildungseinkommens liegen, womit die Tendenz, dass viele Menschen einem Job
nachgehen, um sich einen höheren Lebensstandard zu leisten, entsprechend groß
sein wird.
Überraschenderweise gibt es neben dieser marktwirtschaftlichen Fragestellung, ob
in einer fairen Marktwirtschaft genügend Menschen einer Arbeit nachgehen werden,
noch eine andersartige Sicht, die sich mit dem Aufkommen der intelligenten
Automaten ergibt.
Apoll und Dionys
In einer Welt der intelligenten Automaten wird es uns nicht genügen, wenn wir uns
per Web-Klick mit Billigprodukten eindecken können, die von den Automaten
konkurrenzlos preiswert und bei höchster Qualität herzustellen sind. Wir leben nicht,
um in eine One-Click-Welt des Konsums von Massenware versetzt zu werden. Es
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Apoll und Dionys
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geht uns um mehr. Es geht um Erhöhung unserer individuellen Lebensfreude. Wir
wollen unsere Freizeit z. B. zum Radwandern nutzen, mit einer Gitarre im geselligen
Kreise musizieren, vielleicht eine Karte für ein Sportereignis im Ausland kaufen,
Freunde besuchen u. v. m. Diese Freuden des Lebens können uns Automaten nicht
erfüllen. Wir leben zukünftig in einem Spannungsfeld, zwischen einer von Automaten
geschaffenen Welt und dem, was wir vom Leben erwarten
Mit der zunehmenden Freistellung von Arbeit, gibt es eine Parallele zur Götterwelt
des antiken Griechenlands. Göttern war Arbeit fremd, sie durften ohne Arbeit
„leben“. Nietzsche offenbarte uns in seiner Schrift „Die Geburt der griechischen
Tragödie“, wie in dieser Götterwelt eine Spannung zwischen den Gottheiten Apoll
und Dionys besteht. Für das Vollkommene, Schöne, Reine stand Apoll. Für
Lebensfreude aus dem Moment heraus, für Tanz, Gesang stand Dionys. Apoll ist in
jedem Kunstwerk, Dionys in jedem Spiel. Kunst und Spiel sind die
Begleiterscheinungen unserer arbeitsfreien Zeit.
Die Römer gaben Dionys den Namen Bacchus, sie reduzierten ihn auf den Gott des
Weines, was ihm und uns nicht gerecht wird, denn bacchantisch ist unsere spontane
Lebensfreude auch ohne Weinwirkung, wenn wir mitgerissen, Musik singend
begleiten oder auf die Tanzfläche streben und vor Freude mithüpfen, wenn wir uns
neugierig einer neuen, wissenschaftlichen Entdeckung zuwenden und vieles mehr.
Für Lebensfreude gibt es auf Dauer keine maschinelle Vervielfachung. Lebensfreude
ist individuell.
Apollinisch ist, was im Auge eines jeden Betrachters in seiner Schönheit ohne
Schnörkel aus sich selbst heraus vollkommen und somit „überindividuell“ ist. In
diesem Sinne sind Kunstwerke apollinisch.
Gleich ob human oder maschinell, Intelligenz zielt in der Arbeitswelt darauf ab,
autonome Abläufe zu schaffen, die aus purer Energie Formen, Produkte und
Leistungen in die Welt bringen. Intelligente Automaten streben Vollkommenheit in
der Arbeitswelt an, weil sie softwaregesteuert aus purer, minimal eingesetzter
Energie eine Welt hochwertigster, preiswerter Güter und kontrollierter Leistungen
schaffen. Dazu zwingt sie der ökonomische Wettbewerb. Und wie das Werk eines
Künstlers erst in den Augen des Betrachters zum Kunstwerk wird, so kann auch die
Welt der intelligenten Automaten erst im Auge eines Betrachters zum apollinischen
Kunstwerk werden. Der Betrachter sind wir.
Es ist also nicht der Output einer ökonomisch optimierten Welt apollinisch. Es ist die
dahinter stehende Welt der zusammenwirkenden, aufeinander abgestimmten
intelligenten Automaten. Sie ist es, in der aus einem Minimum an purer Energie ein
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Apoll und Dionys
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Optimum an Weltveränderung geschaffen wird. In diesem Sinne ist Technik die
apollinische Form der Intelligenz.
Warum die spezielle Welt der Automaten und Technik eine sterile Besonderheit an
sich haben, können wir uns am Beispiel der Musik klar machen.
Wird Musik nach strengsten Regeln apollinisch gespielt, klingt sie monoton, was sich
sofort ändert, wenn ein Könner aus seinem Inneren heraus seiner Musik eine
individuelle Prägung gibt. Obwohl sich keine Note geändert hat, kommt erst durch
die Ausdruckskraft des Künstlers in die Welt, was uns begeistert, Freude bringt. Und
genau hier sind wir an der Stelle, die wir in der Welt der intelligenten Automaten neu
sehen müssen. Stellen wir uns die Welt der Automaten wie ein riesiges Instrument
vor, dann sind wir seine Spieler, für uns soll die Welt der Automaten „Musik“
machen, uns soll sie Freude bringen. Wir Menschen müssen durch unser Handeln
die Sterilität der Automatenwelt überwinden. Und so stehen wir vor neuen Fragen:
„Wie bekommen wir eine individuelle Prägung in die Welt der intelligenten
Automaten und damit in die Welt der Technik? Wie entlocken wir ihr „Töne“, die uns
Freude bereiten? Wo steckt Bacchus?“
Der Volksmund drückt es so aus: „Wir leben nicht, um zu arbeiten - wir arbeiten, um
zu leben!“
Befreien uns die intelligenten Automaten von der Last der Arbeit mit ihren strengen
Regeln am Fließband, den Vorgaben im Büro, könnten wir die gewonnene Freiheit
bacchantisch ausfüllen und uns puren Sinnesfreuden hingeben, getreu dem Motto,
Freiheit heißt, zu dürfen, was uns Spaß bringt und niemandem schadet. Wir hätten
uns mit dieser Hingabe an den Spaß hinter Kant zurückbegeben, der uns mit seinem
kategorischen Imperativ lehrte, dass wir uns zum gerechten Funktionieren einer
Gesellschaft so verhalten sollten, als wäre unser individuelles Verhalten wie die
Vorgabe eines Gesetzes für das Verhalten aller. Es reicht eben nicht, so zu sein,
dass wir niemandem schaden, unser Verhalten muss beispielhaft für alle Beteiligten
so sein, dass unser humanes Zusammenleben gefördert wird. Das gilt auch für
Automaten und wurde in den von Asimov aufgestellten Gesetzen für Automaten
nicht aufgeführt.
Wenn wir Nietzsche und Kant mit ihren Offenbarungen hier bis an den Rand der
Zulässigkeit erstmals ökonomisch und technisch interpretieren, ist es den Versuch
Wert. Der Lohn wird sich im Zusammenspiel zwischen Kunst, Wirtschaft und
Menschsein wie ein neues Gesetz des Handelns für eine friedliche Welt darstellen.
White Paper G20plus
Formen der Bildungsfinanzierung
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Formen der Bildungsfinanzierung
Gleich, wie die zukünftige Bildungsfinanzierung aussieht, sie muss die
Armutszunahme beenden, den Abstand zwischen Arm und Reich vermindern, die
Balance zwischen apollinisch und bacchantisch herstellen und all das darf nicht
mehr kosten, als ökonomisch vertretbar ist.
In unserer bisherigen Gesellschaft werden die Bildungskosten über verschiedene
Wege finanziert. Der größte Teil wird aus Steuermitteln getragen. Das heißt, der
Staat sammelt Geld von seinen Bürgern per Steuern ein und bezahlt daraus die
Bildungskosten. Vielfach tragen die Bildungsleistenden selbst Kostenanteile, das ist
z. B. bei der Führerscheinausbildung, bei Volkshochschulkursen und bei
Privatschulen der Fall.
Dieser bisherigen Mischfinanzierung bei Dominanz des Staates mangelt es an dem
klaren Zusammenhang zwischen aufgewendeten Finanzmitteln und dem daraus
resultierendem gesamtgesellschaftlichen Erfolg. Kurz, der Wohlstandsbeitrag durch
Umschichtung von Haushaltsmitteln zugunsten der Bildungsförderung ist nicht direkt
nachweisbar. Der Grund dafür ist einfach. Durch Umverteilung von Haushaltsmitteln
kommt kein zusätzliches Geld (kein zusätzliches Einkommen) in die Welt. Was dem
einen Haushaltstitel entnommen wird, kommt einem anderen zugute.
Wohlstandseffekte sind bestenfalls langfristig bei kluger Umverteilung von
Haushaltmittel zu erreichen, falls die ausgegebenen Haushaltstitel für Lehrer,
Schulgebäude, Lehrmaterialien nach vielen Jahren tatsächlich zu einem
Wohlstandswachstum beitragen.
Wird hingegen in einer fairen Marktwirtschaft ein Bildungseinkommen nach
marktwirtschaftlichen Prinzipien im Vorgriff auf den zukünftigen Erfolg der Bildung
quasi als Kredit ausgezahlt, kommt neues Geld in die Welt, womit die Voraussetzung
für Wohlstandswachstum gegeben ist. Eine solche Kreditierung eines zukünftige
Erfolges wird in Marktwirtschaften Geldschöpfung genannt, weil zusätzlich Geld in
die Welt kommt, das wir als Bürger tatsächlich auch in der Tasche bzw. auf dem
Konto haben. Dem/der Bildungsleistenden aus unserem obigen Beispiel würde im
Schnitt pro Monat per Geldschöpfung das benötigte Bildungseinkommen zustehen,
aus dem die Kosten für den Lebensunterhalt, für Ausbilder, benötigte
Lehrmaterialen, genutzte Gebäude etc. zu zahlen sind. Jeder Bildungsleistende wird
durch das Mittel der Geldschöpfung zu einer Wohlstandsquelle für seine
Gesellschaft.
Gleich, welche Finanzierungsform gewählt wird, die Rechnung muss auf
volkswirtschaftlicher Ebene aufgehen. Es kommt also nicht auf den einzelnen Fall
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Prinzipien der Geldschöpfung
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an. Der Nutzen aus der Bildungsfinanzierung muss so groß sein, dass die Kosten für
sämtliche bildungsleistenden Bürger durch den langfristigen Wirtschaftserfolg
getragen werden.
Es kann für eine faire Gesellschaft nicht infrage kommen, den einzelnen Bürger mit
der Rückzahlung seiner Bildungskosten per Kredit zu belasten, da mit der
Finanzierung eines Bildungseinkommens ein gesamtgesellschaftlicher Vorteil
angestrebt wird. Auch wenn der einzelne Bildungsleistende wie ein Sportler ganz
oben auf dem Treppchen steht, gilt für ihn, was für den Sportler gilt. Hinter jeder
großen Leistung steht eine Gruppe von unsichtbaren Helfern wie Lehrer, Schüler,
Hausmeister, Ausbildungsbetriebe, Handwerker, Wissenschaftler, Dozenten und
vielen weiteren. Sie alle müssen vom Erfolg der gesamtgesellschaftlichen
Bildungsleistung profitieren.
Es wird sich zeigen, dass per Geldschöpfung auch der Ausgleich zwischen
apollinischen und bacchantischen Anforderungen geschaffen wird, so dass sich
Kunst, Wirtschaft und Frieden gegenseitig fördern und entwickeln. Werk und Spiel
finden über das Mittel Geldschöpfung zusammen, das wird erst in der fairen
Marktwirtschaft realisiert.
Prinzipien der Geldschöpfung
Um ein Bildungseinkommen zu finanzieren, bietet sich in einer fairen Marktwirtschaft
das bewährte Prinzip der Geldschöpfung an. Per Geldschöpfung wird finanziert, was
in der Zukunft von Wert ist. Da Bildung unzweifelhaft einen Zukunftswert darstellt,
steht per Geldschöpfung jedem/r Bildungsleistenden ein Einkommen zu, womit er/sie
zu einem Leistungsträger der Gesellschaft wird. Das per Geldschöpfung finanzierte
Einkommen stellt eine zusätzliche Geldmenge dar, über die wir in einer zukünftigen
Gesellschaft verfügen können. Der Wohlstand kann wachsen, weil wir durch unsere
Lernleistung mehr Geld auf unseren Konten haben. Das ist die neue Grundlage für
den internationalen Wohlstandschub der vor uns liegt, weil überall auf der Erde
bildungsfähige und bildungswillige Menschen leben.
Indem Geldschöpfung zur Bildungsfinanzierung eingesetzt wird, erhält Bildung die
eigenständige ökonomische Bedeutung als Wohlstandsquelle, die ihr zusteht. Damit
ist für den größten Teil der Menschen in einer zukünftigen Gesellschaft das
Alleinstellungsmerkmal der Arbeit als Einkommensquelle beendet. Wer keine Arbeit
findet, kann durch Bildung sein Einkommen sichern. Es wird, muss und darf
zukünftig keine Arbeitslosigkeit mehr geben, damit die größte Ursache für Unfrieden,
Hunger und Not in der Welt beseitigt ist.
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Prinzipien der Geldschöpfung
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Um Geldschöpfung zur Finanzierung eines Bildungseinkommens einzusetzen, sind
drei marktwirtschaftliche Kriterien und ist ein humanes zu erfüllen. Es muss
Eigenkapital zur Verfügung stehen, es muss eine Rendite zu erwarten sein, es ist zu
klären, wie Eigenleistung zu bewerten ist und es muss das bacchantische Element
zum Wirken kommen. Diese Bedingungen werden hier am Beispiel eines Hotelbaus
erklärt, um die Einführung eines Bildungseinkommens auf der Basis einer fairen
Marktwirtschaft vorzubereiten.
Geldschöpfung geschieht durch Banken. Das heißt, Banken stellen für Projekte
neues Geld durch Kredite bereit, wenn absehbar ist, dass das Geld aus dem
späteren Erfolg der Projekte wieder zurückzuzahlen ist. Letztlich muss für Banken
erkennbar sein, dass sich langfristig ein Überschuss der Einnahmen über die Kosten
(eine Rendite) ergibt.
Wer z. B. Eigentümer einer grünen Wiese ist, die als Ackerland vielleicht 10.000
Euro wert ist, profitiert von einem Autobahnanschluss, der in der Nähe neu gebaut
wird, wodurch die Wiese zu einem begehrten Bauland für ein Hotel wird. Ihr Wert
steigt z. B. auf 1 Million Euro. Plant der Eigentümer der Wiese dort den Bau eines
Übernachtungshotels, kann er das Geld dazu in Form eines Kredits von seiner Bank
erhalten, weil mit der Wiese als Baugrundstück ein Eigenkapitalanteil im Wert von 1
Million Euro eingebracht wird. Mit dem Nachweis des einzubringenden Eigenkapitals
ist ein erstes Kriterium für die Gewährung eines Kredits erfüllt ist. Beträgt
beispielsweise der Gesamthotelbau 5 Mio. Euro, weiß die Bank, dass sie nur ein
Risiko von 4 Mio. Euro trägt, wenn sie sich eine entsprechende Hypothek von 1 Mio.
Euro für das Grundstück eintragen lässt. Die zweite Bedingung ist erfüllt, wenn das
Projekt eine sichere Rückzahlung einschließlich Zinsen erwarten lässt. Die Bank
wird dem Bauherrn das zusätzlich benötigte Risikogeld von 4 Mio. Euro zum Bau
des Hotels problemlos als Kredit genehmigen. Insgesamt wird mit diesem Projekt
per Geldschöpfung eine Geldmenge von 5 Mio. Euro neu in die Welt gebracht. Mit
diesem Geld können die Arbeiten und Materialien für den Bau des Hotels bezahlt
werden. Damit ist Geldschöpfung das Mittel, um zukünftigen Wohlstand zu
finanzieren.
Für die Geldschöpfung mussten in unserem Hotelbeispiel zwei Bedingungen erfüllt
werden. Es musste erstens Eigenkapital vorhanden sein und es musste zweitens
eine Rendite erkennbar sein.
Das Einbringen von Eigenkapital als erster Voraussetzung entspricht dem
Einbringen eines Geldbetrages. Es können auch Goldbarren hinterlegt werden.
Diese „geldwerte Sicherheit“ war für die Wiese in dem Moment gegeben, in dem sie
zum verkaufbaren Bauland wurde. Wird die Wiese für die Bank mit einer Hypothek
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Prinzipien der Geldschöpfung
Blatt 15 von 30
von 1 Mio. belastet, entspricht das einem schnell zu realisierendem Geldwert, der
als Eigenkapital nutzbar ist. Ersichtlich hängt der Wert des Eigenkapitals von der
faktischen Gewissheit ab, vergleichbar zu Bargeld zu sein.
Die zweite Voraussetzung zur Geldschöpfung ergibt sich aus der Erwartung des
zukünftigen Profits. Dazu muss die Rentabilität des Projektes über viele Jahre
absehbar sein, da daraus der gewährte Kredit zurückzuzahlen ist. Mit der
Renditeerwartung handelt es sich im Gegensatz zum Eigenkapital nicht um eine
faktische Gewissheit, da in jede Erwartung die Unsicherheit der Zukunftsentwicklung
eingeht.
Aus all dem ergibt sich, dass per Geldschöpfung Geld für erfolgversprechende
Projekte in die Welt kommt. Je besser das gelingt, desto größer ist der Wohlstand
einer Gesellschaft. In der Höhe des Wohlstands einer Gesellschaft spiegelt sich also
ihre Fähigkeit wider, zukünftige, erfolgversprechende Entwicklungen richtig
einzuschätzen und sie zu finanzieren.
Die Geldschöpfung für die Gestaltung der äußeren Welt bringt auch einen Nachteil
mit sich. Für erfolgreich abgeschlossene Projekte ist kein Geld mehr in der Welt.
Anders ausgedrückt, in unserer Marktwirtschaft steht nur so viel Geld zur Verfügung,
wie zeitgleich durch Arbeit irgendwo Neues entsteht. Wird nichts Neues in unserer
sichtbaren, äußeren Welt geschaffen, kommt es zum Zusammenbruch der
Wirtschaft, weil es an Geld mangelt. In diesem Sinne zeigen uns die Silhouetten
unserer Städte sehen wir von dem ab, was in den Städten geschieht welche
riesigen Geldmengen für deren Bau in der Welt waren, die nicht mehr in der Welt
sind. Unser bisheriger Wohlstand ist also von der laufenden Neugestaltung unserer
sichtbaren Welt abhängig. Mit anderen Worten, Wohlstand ist bisher vom
Mengenwachstum in unserer äußeren Welt abhängig. So steckt hinter jeder
marktwirtschaftlichen Wohlstandsperspektive die Botschaft, dass sie nur durch
Wachstum zu realisieren ist.
Einem äußeren Wohlstandswachstum, fehlt der qualitative Beitrag, der sich aus der
Änderung unserer inneren, unsichtbaren Bildungswelt ergibt. Das Wird in einer fairen
Marktwirtschaft durch die freie Wahl der Bildungsinhalte berücksichtigt. Da per
Geldschöpfung finanziert wird, was in unserer inneren Bildungswelt neu entsteht,
entsteht ein Bildungswissen, mit dem können wir auf dem Instrument „intelligente
Automaten“ so spielen, dass ihm die bacchantische Dimension unseres Wohlstands
entlockt wird. In der fairen Marktwirtschaft kommt also auch mehr Geld in die Welt,
wenn es um bacchantische Qualität und nicht um pure Menge geht.
White Paper G20plus
Bildungseinkommen per Geldschöpfung finanziert.
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Bildungseinkommen per Geldschöpfung finanziert.
Um zu klären, wie die Finanzierung des Bildungseinkommens per Geldschöpfung
geschehen kann, schauen wir erneut auf das Beispiel des Hotelbaus. Es wird
gezeigt, wie als Voraussetzung einer Bildungsfinanzierung per Geldschöpfung die
Bereitstellung von Eigenkapital, die Aussicht auf Rendite und die Frage nach der
eingebrachten Eigenleistung zu lösen sind.
Ein Bauherr kann seine eingebrachte Eigenleistung z. B. als Architekt oder Tischler
bereits während des Baus ausgezahlt bekommen. Dazu stellt er eine entsprechende
Rechnung für seine Architekten- oder Tischlerleistung an sich selbst. Für diese
Eigenleistung gilt, was auch für jede ordnungsgemäß erbrachte Fremdleistungen gilt,
sie ist zu marktüblichen Preisen zu bezahlen. Derart ist in unseren Marktwirtschaften
für eine erbrachte Eigenleistung gewährleistet, dass sie unter den Bedingungen des
Wettbewerbs und bei vollbrachter Leistung zeitnah bezahlt wird. Der Bauherr, der ja
der Nutznießer des Profits aus dem Hotelbau ist, muss nicht warten, bis seine
Eigenleistung aus dem Profit vergütet werden kann. Dieses marktwirtschaftliche
Prinzip ist bisher für die Bezahlung der Lernleistung von Schülern, Studenten,
Lehrlingen nicht erfüllt. Ihnen wird zugemutet, ihre Lernleistung als unvergütete
Vorleistung zu bringen, für die sie später im Berufsleben - im Falle einer Anstellung -
belohnt werden.
Für eine Volkswirtschaft können wir ihren Eigenkapitalwert aus der Höhe des
Volkseinkommens ableiten, denn das Volkseinkommen ist der faktische
Verkaufswert aller produzierten Waren und Leistungen. So ist beispielsweise das
Mehrwertsteueraufkommen oder sind Teile davon wie der Profit des
Volkseinkommens anzusehen, denn wir Verbraucher zahlen für ein
volkswirtschaftlich zum Kauf bereitgestelltes Produkt die Mehrwertsteuer als
Aufschlag, die beliebig wie ein Profit des Hotels verwendet werden kann. Damit
haben wir eine Bezugsbasis für das Eigenkapital, das für die Finanzierung eines
Bildungseinkommens zu verwenden ist. In jeder Gesellschaft kann also dem
Bankensektor ein Teil des Mehrwertsteueraufkommens als Eigenkapital zur
Sicherung der Finanzierung eines Bildungseinkommens zur Verfügung gestellt
werden.
Mit unserem Wissen, dass das Eigenkapital einer Gesellschaft im realisierten
Volkseinkommen steckt, ist auch bekannt, wie es sich in der Vergangenheit
entwickelt hat. Daraus können wir das voraussichtliche Wachstum für die Zukunft
abschätzen. So wie die Bank im Falle des Hotelbaues, die zukünftige
Rückzahlungsleistung aus dem erwarteten Umsatz des Hotels ermittelt, ist die
White Paper G20plus
Bildungseinkommen per Geldschöpfung finanziert.
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Rückzahlungsleistung einer Gesellschaft aus dem zu erwartenden Volkseinkommen
zu ermitteln.
Würde beispielsweise in Deutschland die Hälfte des Mehrwertsteueraufkommens
per Geldschöpfung für ein Bildungseinkommen zur Verfügung gestellt, könnten ca.
10 Millionen Menschen ein Bildungseinkommen von ca. 2500 pro Monat erhalten!
Da das für jeden Bürger vom Kind ab 16 Jahren, für Hausfrau/mann, Rentner gilt, ist
leicht abzuschätzen wie sich die privaten Haushaltskassen füllen, welcher
Wohlstandsanstieg damit verbunden ist.
Durch die Bindung der Finanzierung des Bildungseinkommens an die
Mehrwertsteuer wird Bildungsfinanzierung zu einer gesellschaftlichen
Solidarleistung. Hat jemand z. B. einen Hit als Song geschrieben, hat ein Erfinder
eine grandiose Erfindung gemacht, entsteht ein großer Umsatz und damit ein
beachtliches Mehrwertsteueraufkommen. So hat der Erfinder oder Songschreiber
vielleicht 200.000 in seinem Leben als Bildungseinkommen verbraucht und viele
Millionen an Wert durch den Verkauf seiner Produkte erzeugt. Damit steht z. B.
durch einen Hit so viel Geld zur Verfügung, dass allein durch die Leistung von
Erfinder und Songschreiber viele ausgezahlte Bildungseinkommen zurückgezahlt
werden können. Es kann aber auch ein Beamter eine Verwaltungsvereinfachung
einführen, die Millionen Menschen das Leben im Umgang mit den Behörden
vereinfacht, womit ebenfalls Werteffekte durch einen Menschen für viele Menschen
geschaffen werden.
Wie hoch der Anteil an der Mehrwertsteuer ist, der für ein Bildungseinkommen
verwendet werden kann, ist für jede Gesellschaft nach ihren speziellen Kriterien zu
entscheiden.
Letztlich führt die Einführung eines Bildungseinkommens zur enormen Reduzierung
der Staatsausgaben. Die Ausgaben in den Sozialhaushalten schmelzen förmlich
zusammen, weil z. B. die Zahlung von Arbeitslosenunterstützung,
Studentenbeihilfen, Arbeitsbeschaffungs- und Qualifizierungsmaßnamen, Zuschüsse
zu Rentenzahlungen, teilweise auch die Bezahlung von Lehrern und vieles mehr
entfällt.
Verschuldete Staaten können sich mit der Kraft ihrer bildungsleistenden Bürger
entschulden.
White Paper G20plus
Geldwertstabilität
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Geldwertstabilität
Wird das Instrument der Geldschöpfung zur Finanzierung eines
Bildungseinkommens genutzt, darf die Geldwertstabilität nicht gefährdet werden.
Das ist gewährleistet, wenn für das neu in die Welt gebrachte Geld auch
nachgefragte Güter vorhanden sind. Wir fragen also nach dem Gegenwert des
Bildungseinkommens. Wird z. B. mehr Geld per Bildungseinkommen in die Welt
gebracht, als kaufbare Waren vorhanden sind, ist das Geld entwertet, weil wir mit
dem Mehr an Geld uns nicht mehr kaufen können als produziert wurde.
Es ist unmittelbar einsichtig, dass Geld nur wertvoll ist, wenn es im Wettbewerb
entsteht. Das ist vergleichbar mit den vergebenen Goldmedaillen bei olympischen
Spielen. Sie wären sportlich wertlos, wenn sie auch ohne Leistung wahllos an die
teilnehmenden Sportler vergeben würden. Wenn wir als Konsumenten aus der
Menge der Produkte in einem Verkaufsregal eines auswählen und es an der Kasse
bezahlen, fließt Geld zum Produzenten des ausgewählten Produktes, die
Produzenten der übrigen Artikel gehen leer aus. Jeder Euro, den wir in der Hand
halten, hat auf dem Weg zu uns, viele Wettbewerbe entschieden. Wer ehrlich
erarbeitetes Geld in der Hand hält, hat mit seiner Leistung dazu beigetragen, dass
der Euro in seiner Hand und nicht in der eines Wettbewerbers gelandet ist. Kurz:
Geldflüsse zeigen in einer Marktwirtschaft gewonnene Wettbewerbe an.
Verwenden wir einen Teil des Mehrwertsteueraufkommens als Eigenkapital zur
Bildungsfinanzierung, sind zwei Bedingungen zur Einhaltung der Geldwertstabilität
bereits erfüllt. Es handelt sich um Geld, das auf seinem Weg bis zum
Mehrwertsteueranfall Wettbewerbe gewonnen hat. Die Gefahr, dass für Zwecke der
Bildungsfinanzierung Geld als Eigenkapital ohne Gegenwert bereitgestellt wird, ist
also nicht gegeben.
Die Frage ist, ob die zweite Bedingung, dass das eingesetzte Eigenkapital auch in
der Zukunft einen ausreichenden Erfolgt bringt, erfüllt ist. Beim Hotelbau musste die
Renditeerwartung abgeschätzt werden. Wenn es um den Zukunftswert einer
Volkswirtschaft geht, muss ein Wirtschaftswachstums auch für die Zukunft ersichtlich
sein. Es kann also auf gesamtgesellschaftlicher Ebene nur so viel an zusätzlichem
Geld geschöpft werden, wie durch die zu erwartende Wirtschaftsleistung der
Gesamtgesellschaft absehbar gesichert ist. Das ist die Makroebene.
Auf der Ebene des einzelnen Menschen, der Mikroebene, wurde aus dem Beispiel
der Fahrschülerin ersichtlich, dass die aus dem Bildungseinkommen in den Umlauf
gebrachten Gelder Wettbewerbe entscheiden. Werden Bildungskurse von vielen
Wettbewerbern angeboten, entscheidet der Bildungsleistende so, dass die Differenz
White Paper G20plus
Reduzierung von Flüchtlingsströmen
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zwischen erhaltenem Bildungseinkommen und den davon zu zahlenden externen
Kosten möglichst groß ist. Das heißt, die sparsam vom Bildungsleistenden in Umlauf
gebrachten Gelder entscheiden Wettbewerbe. All das ist vergleichbar zur bisherigen
Verwendung unseres Arbeitseinkommens. Auch mit dem Einkauf aus den Mitteln
des Arbeitseinkommen entscheiden wir Wettbewerbe zwischen Produkten.
Gleichzeitig achtet der Käufer auf einen preiswerten Kauf, weil er den Restbetrag in
seinem Portemonnaie (auf seinem Konto) groß halten möchte. Das heißt, in einer
fairen Marktwirtschaft wächst die aus dem Bildungseinkommen verbleibende frei
verfügbare Geldmenge, je stärker der Wettbewerb genutzt wurde. Das
Bildungseinkommen stabilisiert also den Wert unserer Währung.
Weil das Mehrwertsteueraufkommen vorwiegend durch individuelle, letztendlich
spontane Kaufentscheidungen zustande kommt, ist es bacchantisch geprägt. Was
wir damit finanzieren, ist Bildung, ist die Änderung unserer inneren Welt. Bildung
kann nur idealtypisch klar strukturiert, d. h. apollinisch in uns vorliegen, weil
ansonsten unerklärlich wäre, wie die klar strukturierten Silhouetten unserer Städte in
die Welt kommen, wieso identisch schmucke Autos vom Band laufen, wie
Musikkonzerte organisiert werden können, zu denen zigtausend Menschen kommen
usw.
All das gilt nur für eine gesunde Marktwirtschaft. Kommt in einer Marktwirtschaft z. B.
durch Banken, wie bis 2008 geschehen, Geld für nicht zukunftsfähige (unprofitable)
Projekte in die Welt, wie sie z. B. in verschachtelten Derivaten versteckt waren,
kommt es über kurz oder lang zu finanziellen Verwerfungen. In einer Marktwirtschaft
ist also eine strenge Aufsicht über die Geldschöpfung erforderlich. Funktionieren die
marktwirtschaftlichen Mechanismen einer Geldschöpfung, können wir einen
Wohlstandsanstieg erwarten, der weit über das Maß hinaus geht, den wir bisher
erreicht haben.
Reduzierung von Flüchtlingsströmen
Mit dem Bildungseinkommen bieten sich neuartige, humane Lösungen an, um
Flüchtlingsströme zu verhindern
Flüchtlingsströme sind eine Folge der Aufteilung der Welt in einen produzierenden
und einen konsumierenden Teil. Würden wir in Europa in vergleichbarer Weise
hungern, wie es in vielen Teilen der Welt der Fall ist, würden insbesondere junge
Männer, Europa den Rücken kehren und ihr Glück in der Fremde versuchen. So ist
White Paper G20plus
Reduzierung von Flüchtlingsströmen
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Amerika als Einwanderungsland zum überwiegenden Teil aus den
Flüchtlingsströmen aus Europa entstanden.
Die Zweiteilung der Welt ist eine Folge ökonomischer Zwänge, die mit dem Einsatz
intelligenter Autoamten zunehmen. All das, was Menschen in wirtschaftsschwachen
Regionen zur Abdeckung ihrer Grundbedürfnisse benötigen, können einige große
Konzerne unter Einsatz intelligenter Automaten auf den Weltmarkt bringen. Die
Konzerne besitzen die Kapitalkraft und das Knowhow, um die Grundbedürfnisse der
gesamten Menschheit von einigen Zentren aus zu versorgen. Die Konzerne sitzen
verständlicherweise bevorzugt in dem Teil der Welt, der ihnen sicher erscheint und
in dem ihr Knowhow und ihr eingesetztes Kapital geschützt ist. Hier haben sie ihre
Steuerungszentralen, hier wird fortlaufend optimiert, innoviert, um bei geringstem
Einsatz von Mitteln den größtmöglichen Output zu schaffen. Die Masse der
Menschen hingegen, deren Grundversorgung zu gewährleisten ist, sitzt im
unsicheren Teil der Welt. Dort ist das Bevölkerungswachstum hoch, während es im
ersten Teil der Welt gering ist. Die Spannungen aufgrund dieser Zweiteilung der Welt
sind vorprogrammiert.
Wir in Deutschland und Europa dürfen uns zum sicheren Teil der Welt zählen.
Die momentan erkennbare Lösung zur Aufhebung des Wohlstandsgefälles zwischen
den beiden Teilen der Welt, wie sie unterschwellig bei den Entscheidungsträgern in
den G20-Ländern vorherrscht, ist eine Scheinlösung. Sie sieht so aus: Bleibt es bei
der Aufteilung der Welt, erscheint es für uns, die human denkenden Menschen im
ersten Teil der Welt erstmals möglich, dass wir mit der Macht unserer intelligenten
Automaten, mit unserem hochqualifizierten, intelligenten Produktionswissen über
kurz oder lang in der Lage sind, den zweiten Teil der Menschheit mit ihren
benötigten Grundbedürfnissen zu versorgen. Hunger, medizinische Unterversorgung
wären erstmals weltweit bei minimalem Kostenanfall zu beseitigen. Zur Erreichung
dieses Ziels müssten nur gewisse Umverteilungen von Finanzmitteln im ersten Teil
geschaffen werden. Solange den Mächtigen der Welt dieses Ziel vor Augen
schwebt, liegt die Gefahr auf der Hand, dass sich eine inhumane Argumentation in
unseren Köpfen einnistet. Sie lautet so: Ernähren wir die Menschen im zweiten Teil
der Welt, liegt es zukünftig an ihnen, ihre Ökonomien so zu entwickeln, dass sie zum
ersten Teil aufholen können, damit sie nicht weiter von uns abhängig sind. Folglich
kann man gegen Flüchtlingsströme mit Gewalt vorgehen. Dass dergleichen nicht nur
denkbar ist, sehen wir beispielhaft an der Bezahlung von Flüchtlingslagern in der
Türkei und anderswo. Europa und insbesondere Deutschland hält sich z. B. derart
mit Zahlungen sein Gewissen frei.
White Paper G20plus
Reduzierung von Flüchtlingsströmen
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Mit dieser Argumentation wird übersehen, dass bei Fehlen von Bildung als zweiter
Einkommensquelle, eine sich selbst verstärkende Wirtschaftsleistung im zweiten Teil
der Welt fehlt. Wird bei der Masse der Menschen im zweiten Teil der Welt deren
Bildungswissen nicht erhöht, kann von dort aus kein Beitrag kommen, wie die Welt
der intelligenten Autoamten zum „Klingen“ gebracht wird. Verschlimmert wird all das,
wenn wir aus dem ersten Teil der Welt hochwertige Infrastrukturen und Investitionen
im zweiten Teil der Welt fördern, ohne dass dort das Bildungsniveau ansteigt.
Finanzieren wir Hochgeschwindigkeitszüge, die auf neuen Strecken z. B. von China
durch den Orient bis nach Afrika brausen, in dessen überfüllten aber gekühlten
Abteilen massenweise junge, ungebildete Menschen ihre Smartphone nutzen und
sehen, auf welch hohem Wohlstandsniveau wir im ersten Teil der Welt leben, fördern
wir den Unfrieden in der Welt.
Hinzu kommt ein weiterer nachteiliger Effekt. Auch bei sparsamer Finanzierung der
zweiten Welt sind Neideffekte bei uns im ersten Teil der Welt zu erwarten, solange
es bei uns z. B. Armenküchen gibt. Beseitigen wir sie, indem genügend Sozialhilfe in
unseren Wohlstandsstaaten zur Verfügung gestellt wird, muss begründet werden,
warum in anderen Teilen der Welt die Menschen mit weniger auskommen sollen.
Aus all dem folgt, dass es unsere Aufgabe ist, auch in den bevölkerungsstarken
Regionen unserer Erde insbesondere für junge Menschen ein Bildungseinkommen
per Geldschöpfung zu finanzieren, um die damit verbundenen Wohlstandseffekte
auch dort zu initiieren. Einhundert Euro, die wir z. B. monatlich per Kredit über die
Europäische Zentralbank an einen jungen Menschen in einer wirtschaftsschwachen
Region der Erde für seine prüfbare Lernleistung zur Verfügung stellen, werden sich
auch im zweiten Teil der Welt auf Dauer aus dem wachsenden Wohlstand dort
tragen.
Als weiterer Vorteil ergibt sich, dass die jungen, bildungsleistenden Menschen im
zweiten Teil der Welt ihre erhaltenen Euro in Landeswährung tauschen müssen, um
in Landeswährung einzukaufen. Das heißt, der junge Mensch sorgt mit seiner
Lernleistung dafür, dass sein Staat über zusätzliche, harte Devisen verfügt. Die
Devisen fließen naturgemäß zu einem großen Teil zum Einkauf von
Investitionsgütern in die Geberländer zurück. Im Gegensatz zur heutigen
Entwicklungshilfe wird also das Bildungsniveau der Bevölkerung und gleichzeitig das
Investitionsniveau in wirtschaftsschwachen Regionen der Erde angehoben.
Die Förderung von weltweitem Wohlstand durch Finanzierung eines
Bildungseinkommens hat weitere Vorteile. So wird mit einer Bildungsfinanzierung
auch Frauen in wirtschaftsschwachen Regionen durch ihr selbst geschaffenes
Einkommen eine höhere Anerkennung zuteil, die sie ansonsten nicht erreichen
White Paper G20plus
Deutschland muss sich bewegen
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können. Gleichzeitig wächst ihre Bildung, womit wiederum nach allen Erfahrungen
der Neuzeit die Geburtenrate sinkt.
Ebenso ist zu erwähnen, dass sich mit der Einführung eines Bildungseinkommens
eine neue Situation für despotische Herrscher ergibt. Despoten, deren Jugend aus
internationalen Töpfen mit einem Bildungseinkommen gefördert wird, sind
gezwungen, sich international angemessen zu verhalten, wollen sie nicht eine
Reduzierung der Bildungsfinanzierung ihrer Jugend und damit verbunden, deren
Abrutschen in Armut riskieren. Letztlich kann sich kein Despot auf Dauer halten,
wenn er nicht die Jugend hinter sich hat. Und genauso gilt, dass eine gebildete
Jugend sich auf Dauer nicht von Despoten abhängig machen wird.
Nur am Rande sei erwähnt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) seit 2014
riesige Kreditvolumina zu Tiefzinsen zur Verfügung stellt, um Geld billig zu machen.
Derart sollen vorrangig südeuropäische Staaten vor dem Bankrott bewahrt werden,
der ihnen bei steigenden Zinsen droht. Für die riesigen, bereitgestellten Mittel gibt es
für Banken nicht genügend finanzierbare, innovative Projekte der Realwirtschaft. Mit
der Finanzierung von Bildungseinkommen in aufstrebenden Regionen der Erde
würden sich völlig neue Möglichkeiten für Banken ergeben. Akzeptiert die EZB z. B.
Mehrwertsteuerabtretungen aus Staaten mit schwacher Wirtschaftsleistung als
Sicherheit für per Geldschöpfung bereitgestellte Bildungseinkommen, stehen riesige
Mittel zur Finanzierung von Bildungseinkommen auch außerhalb Europas zur
Verfügung. Eine neue Form einer weltweiten Wohlstandsgesellschaft steht vor der
Tür, wenn auch die zur Wirtschaftsförderung bereitstehenden internationalen
Banken, wie z. B. die Weltbank, mit in die Bildungsfinanzierung einsteigen. All das
kann von den Mächtigen der G20-Gruppe angeschoben werden.
Kurz, die Finanzierung eines Bildungseinkommens in wirtschaftsschwachen
Regionen der Erde schafft weltweit mehr Frieden und Wohlstand als es durch Mittel
geschieht, die einem Staat direkt zur Verfügung gestellt werden. Damit ist ein Thema
des nächsten G20-Gipfels vorgegeben.
Jeder bildungsbereite Mensch, gleich, wo er auf unserem Globus wohnt, ist eine
nicht versiegende Wohlstandsquelle, die es zu finanzieren gilt.
Deutschland muss sich bewegen
Für Europa ergibt sich mit dem Bildungseinkommen die Chance zu einer
Neugestaltung. Entsprechende Impulse zum Überdenken der Stellung Europas in
der Welt werden uns nach der Trump-Wahl durch die USA geradezu vorgegeben.
White Paper G20plus
Weder Qualifizierungs- noch Wachstumswahn
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Deutschland und Frankreich sind gemeinsam in der Verantwortung, hier
voranzugehen. Frankreich bringt mit seinem neuen Präsidenten Macron die besten
Voraussetzungen mit, um mit Deutschland die Neugeburt Europas aus einem
humanen Geiste heraus zu starten.
Das Problem für Europa liegt in Deutschland. Für die deutsche Politik wird es
schwierig, zu erkennen, dass ihr Erfolgsmodell der hohen produktiven
Wettbewerbsfähigkeit nur die apollinische Seite der Medaille ist, während die
andere, bacchantische Seite, die Förderung des breiten, kulturell geprägten
Nachfragewissens nicht mithält. Erst wenn die exzellente deutsche Fachausbildung
ergänzt wird durch eine Verbreiterung der kulturellen Bildungsbasis, ergibt sich mit
dem kulturellen Wissen das dringend benötigte Überdach, unter dem eine neue
Form der Nachfrage wächst.
Mit seiner starken Wirtschaftsstellung einerseits und dem sich vergrößernden
Abstand zwischen Arm und Reich andererseits, muss Deutschlands Interesse groß
sein, Pilotprojekte zu starten, um Gestaltung und Wirkung eines
Bildungseinkommens zu testen. Deutschland kann mit regionalen Pilotprojekten zur
Einführung eines Bildungseinkommens vorangehen. Es gibt leicht prüfbare Kriterien,
die den Erfolg eines monatlich ausgezahlten, in Höhe und Zusammensetzung selbst
bestimmten Bildungseinkommens sichtbar werden lassen. Die Anzahl der
Armenspeisungen muss beispielsweise abnehmen, der Verkauf von Zeitschriften
und Web-Information, die einen höheren Bildungshintergrund voraussetzen, muss
zunehmen. Gekrönt wird das Ganze, wenn auch die Wahlbeteiligung durch die
steigende Bildung der Menschen zunimmt.
Deutschland könnte ein weltweit nicht zu überhörendes Signal setzen und in Europa
zeigen, dass es bereit ist, aus einem gemeinsamen, europäischen Geist heraus zu
handeln. Was fehlt, sind Politiker und Parteien, die die Chance erkennt, mit einem
Bildungseinkommen Wählerpotenziale zu erschließen.
Weder Qualifizierungs- noch Wachstumswahn
Qualifizierungs- und Wachstumsargumente sind bei Politikern und Ökonomen
beliebt, um zu begründen, wie Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu sichern sind. Sie
behaupten vielfach, dass berufliche Qualifizierung die geeignete Maßnahme sei, um
der Gefahr des Arbeitsplatzverlustes bei Einsatz von Automaten zu begegnen.
Dementsprechend werden Haushaltsmittel zur Qualifizierung bereitgestellt. Alle Welt
weiß, dass eine Höherqualifikation den Arbeitsplatz nur bis zum Einsatz der
White Paper G20plus
Weder Qualifizierungs- noch Wachstumswahn
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nächsten, fortentwickelten Generation von Automaten retten kann. Mit seiner
Qualifizierungsleistung steht der einzelne Mensch in einem nie endenden
Wettbewerb mit den Fähigkeiten der Ingenieure, Wissenschaftler, Erfinder, die
fortlaufend neue, intelligentere Automaten entwerfen.
Übersehen wird insbesondere, dass die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für
Qualifizierungszwecke nur in sehr begrenztem Umfange Wohlstand schafft. Letztlich
erhoffen sich Politiker, dass die Umverteilung von Haushaltsmitteln mehr Wohlstand,
mehr Sicherheit, mehr soziale Gerechtigkeit bringt. All das kann sich nur langfristig
einstellen, und ist mit großen Unsicherheiten behaftet, weil niemand weiß, was am
Ende einer langen Wirkungskette übrigbleibt. Soll beispielsweise Bildung durch
Erhöhung der Lehrerzahlen oder Bau von Schulen gefördert werden, kann der Erfolg
sich erst einstellen, wenn die Schüler das vermittelte Wissen in ihrer Zukunft so
einsetzen, dass die dafür aufgewendeten Haushaltsmittel mindestens wieder
hereinkommen. Letztlich heißt es zu erkennen, dass aus der Bereitstellung von
Haushaltsmitteln kein zusätzliches Geld (Einkommen) in die Welt kommt, weil an
den Bürger verteilt wird, was ihm zuvor genommen wurde. Ohne per Geldschöpfung
geschaffenes Einkommen kann sich kein zusätzlicher Wohlstand entwickeln. Das ist
all denen entgegenzuhalten, die sich aus dem Einsatz oder der Umverteilung von
Haushaltsmitteln eine Steigerung des Wohlstands versprechen.
Nachteilig kommt hinzu, dass die positiven Effekte, die die Haushaltsmittel bis zu
ihrer Umverteilung hatten, nach ihrer Umverteilung nicht mehr für ihre ursprünglichen
Zwecke vorhanden sind.
Wachstumstheoretiker argumentieren, dass durch die sinkenden Produktionskosten
von Automaten, Verbraucher von sinkenden Preisen profitieren und dass daraus
folgend mehr nachgefragt wird, womit mehr produziert wird und der
Wertschöpfungsbeitrag einer automatisierten Produktion wieder wächst. Sie fordern
ein jährliches, prozentuales, „gesundes“ Wachstum, damit über unseren
Mehrverbrauch mehr Geld in die Produktion fließt und dort bei ausreichendem
Wachstum sogar mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Diese Argumentation zielt
also auf Wachstum in der äußeren Welt ab. Da jedes prozentuale Mengenwachstum
ein exponentielles ist, muss es über kurz oder lang an sein unvermeidliches Ende
kommen, weil entweder die Ressourcen (z. B. Rohstoffe) ausgehen oder die
Herstellung von mehr Abfall in der Form von Plastikflaschen, Autoreifen,
Pharmazeutika und Waschmitteln in Gewässern weder für die Umwelt noch für uns
Menschen zu verkraften ist. All das ist aus dem unermesslichen Anwachsen der
Reiskörner, die sich auf den Feldern eines Schachbrettes verdoppeln sollen,
bekannt. Unzulässig ist also, wenn Wachstumstheoretiker in ihren ökonomischen
Modellen prozentuale Wachstumsziele einbringen, ohne auf den möglichen
White Paper G20plus
Keine Definition von Intelligenz
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exponentiellen Kollaps hinzuweisen. Das ist z. B. bei dem so sogenannten
Keynes‘schen Formalismus der Fall, der gerne von Wachstumstheoretikern
herangezogen wird. Er enthält einen klaren Zusammenhang zwischen prozentualem
Anstieg des Arbeitseinkommen bei gleichzeitig prozentualem Wachstum (Output) an
Gütern und Leistungen. Es wird übersehen, dass Keynes keine Formel angegeben
hat, die zeigt, wann Schluss mit dem prozentualen Wachstum ist.
Der Formalismus könnte z. B. durch Einführung eines hypothetischen
Abfallcontainers ergänzt werden. In ihm wird der umweltbelastende Abfallanteil einer
Wachstumsökonomie mit dem gleichen Prozentsatz additiv aufsummiert, wie er für
das Einkommenswachstum angesetzt wird. So wäre sichtbar, dass ein gefordertes
Wachstum von jährlich 2 % den Container seit dem zweiten Weltkrieg um mehr als
das Dreihunderttausendfache vergrößert hätte. Wären also zum Ende des zweiten
Weltkrieges 1 Million Tonnen umweltbelastender Stoffe von den Industrienationen in
den Abfallcontainer transportiert worden, lägen inzwischen 100 Milliarden Tonnen
darin. All das bleibt im Keynes‘schen Formalismus unberücksichtigt. Die Gesundheit
der Erde wird weiterhin strapaziert, weil sie letztendlich als realer Abfallcontainer
dient. Die Plastikmengen und Schaumbildungen im Meer, der zunehmende
Feinstaub, die radioaktiven und pharmazeutischen Abfälle sprechen ihre eigene
Sprache. Letztlich verarmen wir auch bei exponentiellem Mengenwachstum, da
Überflussproduktion den Wert unserer Welt vermindert.
Die Förderung von Bildung als Förderung eines inneren Wachstums in uns ist frei
von diesen Problemen. Wird Bildung richtig gefördert, kann sich auch das
Umweltbewusstsein in der richtigen Weise mitentwickeln.
Keine Definition von Intelligenz
Im Rahmen unserer Ausführungen zum Bildungseinkommen wurde mit Verweis auf
Apoll und Bacchus einiges zu den Unterschieden zwischen unserer humanen
Intelligenz und der der Automaten angeführt. Danach ist die Automatenwelt
apollinisch strukturiert, während es unsere Aufgabe ist, ihr eine bacchantisch
Prägung zu geben. Vermieden wurde eine allgemein gültige Definition von
Intelligenz. Das hat seinen Grund.
Jede humane Definition von Intelligenz nutzt ihrerseits Intelligenz und droht damit ins
Leere zu laufen. Das ist vergleichbar mit zwei Spiegeln, die wir übereinanderlegen.
Sie spiegeln sich und zeigen nichts. Auch dürfen wir nicht davon ausgehen, unsere
humane Besonderheit, die Welt ex ante (im Voraus), auf ein Ziel hin verändern zu
White Paper G20plus
Vorteile einer fairen Marktwirtschaft
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können, sei ein Zeichen einer besonderen Intelligenz, die uns eindeutig von
intelligenten Automaten abhebt. Neuere Softwarealgorithmen, die in vielen Labors
der Welt und z. B. für das Go-Spiel eingesetzt wurden, zeigen, dass sie zum
Gewinnen völlig neue Spielstrategien autonom entwickeln. Sie entdecken also, was
einem Ziel dient und was dafür zu nutzen ist. Das ist ganz ähnlich zu dem, was wir
Menschen können, wenn wir ein Ziel erreichen wollen und neue Wege dorthin finden
müssen. Es wird also kaum gelingen, eine Gesellschaftstheorie aufzubauen, die von
einer besonderen Form der menschlichen Intelligenz ausgeht und z. B. zukünftigen,
intelligenten Automaten keine Kreativität zubilligt.
Vor diesem Hintergrund wird in diesem White Paper als objektiver Wert für die
besondere Wirkung von Automaten das Maß der Arbeitsfreistellung herangezogen.
Freistellung von Arbeit ist objektiv messbar und nimmt mit dem Einsatz der sich
fortentwickelnden Intelligenz der Automaten zu. Wir nutzen die gewonnene
Arbeitsfreistellung für die selbstbestimmte Fortentwicklung unserer Bildung und
damit schaffen wir eine Grundlage für die Anwendung unserer humanen Intelligenz.
Letztlich heißt es, je weiter sich die Intelligenz der Automaten fortentwickelt, desto
mehr Zeit haben wir, um unsere inneren Bildungswelt auszubauen. So fördert die
Fortentwicklung der Automatenintelligenz unabhängig davon, wie sie definiert ist, die
Änderung unserer inneren Bildungswelt, die wiederum die Fortentwicklung der
Automaten fördert. Letztlich werden derart vielfältigere Produkte, Leistungen
nachgefragt, die nicht durch Massenproduktion herzustellen sind. Damit ergänzen
wir die apollinische Realität der Automaten durch unsere bacchantische
Veranlagung. Wie die Symbiose dieser beiden Intelligenzen in der Zukunft aussieht,
ist offen. Möglich ist, dass Bildung als beurteilende Entscheidungsebene über der
Intelligenz angelegt ist.
Eines der größten Probleme im Umgang mit intelligenten Systemen ist, wie der
Ausschaltknopf von Teilsystemen der Automatenwelt zu betätigen ist, wenn wider
Erwarten im Zusammenspiel zwischen Mensch und Automat etwas schiefläuft. Mit
diesem Problem beschäftigen sich inzwischen Forscher sehr intensiv.
Vorteile einer fairen Marktwirtschaft
In unserer bisherigen Gesellschaft erhält der Arbeitsleistende für seine Leistung
zeitnah Geld (Gehalt, Einkommen), während der Lernende für seine Lernleistung
zeitversetzt am Ende seiner Ausbildung belohnt wird, falls er einen Arbeitsplatz
findet. Der Lernende muss also eine Vorleistung erbringen, weil sich Lernen für ihn
erst auszahlt, wenn er eine Arbeit findet und annimmt. Diese Bevorzugung von
White Paper G20plus
Vorteile einer fairen Marktwirtschaft
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Arbeit wird in der fairen Marktwirtschaft durch die zeitnahe Bezahlung des
Bildungseinkommens beseitigt. Die Bedeutung unserer inneren Bildungswelt als
Voraussetzung zur Gestaltung der äußern wird derart durch eine zeitnahe
Bezahlung berücksichtigt.
In besonderer Weise profitieren in einer fairen Marktwirtschaft die Aus- wie
Fortbildungsanbieter mit ihren Einrichtungen. Volkshochschulen, private
Unterrichtseinrichtungen, Fachhochschulen, Hochschulen, Universitäten können ihre
Leistungen anbieten und werden durch die bezahlte Nachfrage des
Bildungsleistenden (Lernleistenden) finanziert. Durch die freie Wahl der Lerninhalte
erhalten kulturelle Bildungsangebote, denen bisher der Ruf anheftet, sie stellen
keinen ökonomischen Wert dar, einen eigenständigen ökonomischen Wert.
Da der Bildungsleistende unabhängig von Stand oder Stellung seine
Ausbildungswege selbstbestimmt zusammenstellt, entfallen komplizierte Prüfungen
zum Vermögenshintergrund des Bildungsleistenden, weil das einzige Kriterium zur
Auszahlung eines Bildungseinkommens die Erbringung der individuellen Leistung ist,
die für die Gesamtgesellschaft einen Wert darstellt. Der Beitrag des Vermögenden
ist ebenso viel wert wie der des Vermögenslosen.
Mit dem Bildungseinkommen wird eine weitere Ungereimtheit in unserer heutigen
Gesellschaft überwunden. Bisher gehen wir davon aus, dass Schülern, Studenten
ein Ausbildungsvorteil der Gesellschaft gewährt wird, den sie in Anspruch nehmen
dürfen, der ihnen in der Form von Ausbildungsstätten und Lehrern zur Verfügung
gestellt wird. Diese Sicht ist nicht haltbar, weil die Bildungsleistung der Bürger die
ursächliche Voraussetzung für das Wohlergehen einer Gesellschaft ist. Der
Bildungsleistende ist nicht der Nehmende, er ist der Gebende.
Mit dem Bildungseinkommen ist die Pflicht zu dessen Finanzierung durch die
Gesellschaft verbunden, weil die Gesamtgesellschaft der Profiteur ist. Haben
beispielsweise viele Menschen per Führerscheinprüfung gelernt, Autos im Verkehr
richtig zu benutzen, gibt es Sicherheit auf den Straßen. Daraus folgend können
genügend Autos gebaut werden, so dass letztendlich die Gesamtgesellschaft aus
dem Wissen, wie Autos im Verkehr richtig zu bedienen sind, profitiert. In diesem
Sinne erfüllt das Bildungseinkommen mit seiner gesamtgesellschaftlichen
Bedeutung einen Aspekt des Kant‘schen Imperativs.
Mit dem Bildungseinkommen erhalten wir als individuelle Bürger eine neue,
bedeutende Stellung. Wir haben das Geld in der Hand, um Ausbilder
(Bildungsvermittler, Lehrer) zu bezahlen, damit sie uns in bestmöglicher Weise
Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln. Lernen als Aneignung von Kenntnissen und
White Paper G20plus
Vorteile einer fairen Marktwirtschaft
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Fähigkeiten ist die uns zustehende intellektuelle Aufgabe, die uns niemand
abnehmen kann. Mit unserer Bildungsfähigkeit gewährleisten wir den Fortschritt und
das Überleben unserer Gesellschaft. Die Bedeutung des nicht arbeitenden Teils der
Bevölkerung wächst.
Es gibt einen weiteren Grund, dem Bildungsleistenden die Selbstbestimmung für
seine Bildungsleistung zu übertragen. Mit dem Beispiel Führerschein wird die
Bedeutung unserer bacchantischen Veranlagung als Treiber des Wohlstands
deutlich. Offenbar haben wir Freude am Autofahren. Um dieser Freude
nachzugehen, muss Geld zum Kauf eines Autos vorhanden sein. Um dafür Geld zu
verdienen, müssen wir in unserer bisherigen Gesellschaft Arbeit leisten, d. h. wir
müssen unsere innere Bildungswelt vorrangig mit Produktionswissen anreichern. Je
mehr Menschen produktiven Aufgaben nachgehen, desto mehr Menschen sehen die
Welt durch ihr Produzentenbrille. Erzielen wir zunehmend unser Einkommen durch
die individuelle Wahl einer Ausbildung, die unabhängig von den Anforderungen der
Arbeitswelt ist, wird unsere innere Bildungswelt entsprechend umfangreicher,
vielfältiger. Es entsteht eine bildungsbedingte, diversifizierte vom Produktionswissen
unabhängigere Nachfrage. Der umweltbewusste Autokauf rückt ins Blickfeld.
Es ist klar, dass es in einer Gesellschaft mit unserer abendländischen Tradition für
die sozial Schwachen ein besonderes Bildungseinkommen geben muss, wodurch
auch dieser Teil unserer Gesellschaft seine Selbstachtung und Stellung in der
Gesellschaft durch Teilnahme an Kursen in angemessener Weise selbst gestalten
kann.
Es ist eine Zunahmen der Armut in einer Gesellschaft zu erwarten, wenn zwar
genügend Geld in der Welt gibt, es aber ungleichmäßig verteilt ist. Diese ungleiche
Verteilung hat in unseren bisherigen Marktwirtschaften weltweit zugenommen. Mit
der Einführung eines Bildungseinkommens ist das Monopol des Arbeitseinkommens
beendet, es gibt die Armut infolge von Arbeitslosigkeit nicht mehr. Die Armutsschere
wird zumindest für den Teil der lohnabhängigen Bevölkerung verringert.
Ein besonderer Vorteil der Geldschöpfung ergibt sich, weil mehr Geld in die Welt
kommt als per Eigenkapitalanteil aus dem Mehrwertsteueraufkommen zur Verfügung
gestellt wird. Im oben genannten Hotelbeispiel hatte der Bauherr des Hotels z. B.
eine Million Euro als Sicherheit mit seiner grünen Wiese eingebracht, die Bank stellt
ihm 5 Millionen Euro zur Verfügung. Entsprechend gilt für die Finanzierung eines
Bildungseinkommens, dass z. B. für den Anteil von 1 Prozentpunkt des
Mehrwertsteueraufkommens das Mehrfache davon als Bildungseinkommen
bereitgestellt werden kann, sofern es in der Zukunft wieder hereinkommt.
White Paper G20plus
Wie kann es weitergehen?
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Ein besonderer Hinweis soll bezüglich der Finanzierung der zukünftigen
Rentenversicherung gegeben werden. Da auch aus dem Bildungseinkommen -
vergleichbar zum Arbeitseinkommen - im Laufe des Lebens ein bestimmter Anteil in
die Rentenkassen eingezahlt wird, würde sich die Lücke in der Rentenfinanzierung,
wie sie sich bei Arbeitsplatzverlust in der sozialen Marktwirtschaft darstellt, in der
fairen Marktwirtschaft nicht ergeben. Auch die Lücke in der Rentenversicherung, die
sich durch das zunehmende Durchschnittsalter der Menschen vergrößert, kann
individuell kompensiert werden. Da das Bildungseinkommen unabhängig vom Alter
oder sozialem Stand gezahlt wird, ergibt sich auch für Rentner die Möglichkeit, ein
zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften. Es können z. B. Sprachen erlernt
werden, man kann sich an archäologischen Ausgrabungen beteiligen, Rentner
können auch als Lehrer auftreten und ihr Wissen gegen Bezahlung in Kursen
weitergeben und vieles mehr.
Wie kann es weitergehen?
Was für die Einführung eines Bildungseinkommens fehlt, ist eine Aufbruchstimmung,
die in den Köpfen beginnt und deren Bedeutung vergleichbar sein sollte mit der
Umweltbewegung in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Diese gewann
ebenfalls ihre Bedeutung erst durch die Bewegung aus dem Volk heraus.
Wer sich hinter die hier gebrachten Vorschläge stellt, sie Politikern, Parteien
zusendet, bringt neuartige Lösungen für die Gestaltung unserer Zukunft ein.
Journalisten, Wissenschaftler können die vorgestellten Lösungen zwecks öffentlicher
Diskussion den Politikern näherbringen. Vor diesem Hintergrund eröffnen sich für
Politiker und Parteien Chancen, um mit dem Bildungseinkommen bei Wählern zu
punkten.
Es kommt nicht darauf an, dass alles aus diesem White Paper auf einen Schlag und
wortwörtlich durchgesetzt wird. Die hier gemachten Vorschläge sind Leitlinien auf
dem Weg in eine zukünftige Gesellschaft. Details können in Pilotprojekten getestet
und überprüft werden. In Politik, Wissenschaft und Wirtschaft stehen exzellente
Fachleute bereit, um zu konkretisieren, was hier vorgeschlagen wird.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Politiker das Tal der
Haushaltsumschichtungen mit den damit verbundenen Versprechungen verlassen
und in einen bacchantischen Wettstreit der Ideen eintreten. Hiermit ist ein Vorschlag
auf dem Tisch, den jeder von uns an eine verantwortliche Persönlichkeit in Politik,
White Paper G20plus
Wie kann es weitergehen?
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Wirtschaft, Wissenschaft senden kann. Je mehr Menschen zeigen, dass sie die hier
gemachten Vorschläge für diskutabel halten, desto geringer ist die
Bedenkenschwelle, die neue Ideen üblicherweise überwinden müssen.
Hans-Diedrich Kreft