DER
BEFREITE
MENSCH
Faire Marktwirtschaft aus humanem Geiste
in einer hybriden Welt
Hans-Diedrich Kreft
Schultze-Rhonhof: 1939. Der Krieg der viele Väter hatte (7. Auflage)
21.05.2014 Imprimatur Seite 2
Schultze-Rhonhof: 1939. Der Krieg der viele Väter hatte (7. Auflage)
21.05.2014 Imprimatur Seite 3
Gerd Schultze-Rhonhof
Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg
8. Auflage
Der Krieg, der viele Väter hatte
1939
Schultze-Rhonhof, 1939.indb 3 21.05.14 12:02
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Inhalt
Weckruf ............................................ 5
Drei Fragen, die zu beantworten sind . . . . . . . . . . . . . . . 9
Von der Ordnung in unseren Köpfen ................ 13
Apoll und Dionys ................................... 17
Bildungseinkommen am Beispiel erklärt . . . . . . . . . . . . 20
Formen der Bildungsnanzierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Prinzipien der Geldschöpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Bildungseinkommen per Geldschöpfung nanziert.. 35
Geldwertstabilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Reduzierung von Flüchtlingsströmen . . . . . . . . . . . . . . . 42
Deutschland muss sich für Europa bewegen ........ 49
Umwelt und Wachstum ............................ 51
Weder Qualizierungs- noch Wachstumswahn . . . . . . 56
Keine Denition von Intelligenz ..................... 60
Vorteile einer fairen Marktwirtschaft ................ 62
Wie kann es weitergehen? .......................... 67
Hinweis für wissenschaftlich interessierte Leser...... 68
Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Weckruf
Lasst uns mit diesem Buch einen Weckruf in die Welt
hinaus senden und verkünden, dass niemand mehr
Hunger und Armut fürchten muss, weil hier gesagt
wird, wie zukünig jeder Mensch ein ausreichendes
Einkommen erzielen kann.
Die Botscha ist, dass jeder Mensch in der vor
uns liegenden Welt frei wählen kann zwischen einem
Einkommen aus Arbeit oder einem aus Bildung. Wer
keine Arbeit ndet oder annehmen will, kann sich für
ein Bildungseinkommen entscheiden und damit ge
-
nügend verdienen, um in angemessenem Wohlstand
zu leben.
Das Besondere ist, dass sich das Bildungseinkom
-
men nach marktwirtschalichen Prinzipien aus dem
Erfolg heraus nanziert, den es selbst scha. Eine
Marktwirtscha, die das leistet, wird hier als faire
Marktwirtscha vorgestellt. Es ist eine Fortentwick
-
lung der sozialen Marktwirtscha.
Da in einer fairen Marktwirtscha das Einkommen
aus Bildung dort entsteht, wo Menschen leben, sind
Flüchtlingsströme zu vermeiden. Zugleich steigt der
weltweite Wohlstand, weil der individuelle Mensch
über mehr Geld (Einkommen) verfügt. Staaten kön
-
nen sich entschulden, weil sie von ihren riesigen Bil-
dungskosten und den Kosten zur Vermeidung von
Arbeitslosigkeit befreit sind. Familien werden in ihrer
Gemeinscha gestärkt, weil Familienmitglieder vom
sechzehnten Lebensjahr ab selbst per Bildungsein
-
6 Der befreite Mensch
kommen Geld verdienen. Die Ausbeutung von Kin-
dern in der Arbeitswelt ist hinfällig. Frauen werden mit
dem Bildungseinkommen nanziell unabhängiger.
Wenn wir den Weckruf nicht hören, wird der tech
-
nische Fortschritt uns klar machen, dass die Forde-
rung »Arbeit für alle« sich in einer Welt erledigt, in
der intelligente Automaten zunehmend auch Arbei
-
ten übernehmen, für die wir Menschen bisher un-
ersetzlich schienen. Jede neue Automatengeneration
wird uns vor Augen führen, dass es auch bei beruf
-
licher Höherqualizierung keine Sicherheit für den
Erhalt des Arbeitsplatzes gibt.
Die vollbesetzten Flüchtlingsboote auf dem Mittel
-
meer, die häug von jungen, gesunden und keinesfalls
unterernährten Männern besetzt sind, sagen uns, dass
wir mit der Beseitigung von Hunger Flüchtlingsströme
nicht verhindern werden. Es geht um mehr, es geht
um Wohlstand, der von den Menschen selbst dort ge
-
schaen werden muss, wo sie leben. Die Forderung,
uns in unseren Wohlstandsoasen durch Mauern,
Stacheldrahtzäune vor dem Zustrom der Menschen
aus wohlstandsschwachen Regionen zu schützen,
ist längst gescheitert. Die Chance hingegen, lokalen
Wohlstand mit einem Bildungseinkommen dort zu
schaen, wo er benötigt wird, liegt greiar vor uns.
Weil Automaten weder Essen, Trinken, Schlaf
noch Spaß bei ihrer Arbeit benötigen, keine kulturel
-
len oder sozialen Forderungen stellen, reicht ihnen
im Idealfall eine Steckdose, um hochwertige Produkte
massenweise und in exzellenter Qualität herzustellen.
7Weckruf
Diese ressourcenschonende und damit preiswerte
Produktionsweise ist der eigentliche Grund, warum
zukünig intelligente Automaten vom Roboter bis
zur Suchmaschine unsere Arbeitswelt fundamental
und unaualtsam verändern werden.
Hier wird aufgezeigt, wie unsere humane Arbeits
-
welt und die der intelligenten Automaten in einer
Symbiose zum Vorteil des Menschen zu verbinden
sind.
In dieser neuen, hybriden Arbeitswelt werden
wir zu den Wurzeln des ökonomischen Handelns
zurückgeführt, die besagen, dass Automaten nichts
weiter als Dienstleister zur Steigerung der Lebens
-
freude des Menschen sind. Der revolutionäre Kern
dieser Selbstverständlichkeit zeigt sich erst mit der
in diesem Buch oenbarten Erkenntnis, dass wir als
Weltgemeinscha in dem Maße gesunden, wie Men
-
schen weltweit ermöglicht wird, Lebensfreude mit
Bildungschancen und Einkommen zu kombinieren.
Mit Schaung von Lebensfreude ist die Wohl
-
standsquelle identiziert, die nicht nach ständig stei-
gendem Mengenwachstum verlangt und sich letztlich
selbst unter Abfallbergen begräbt.
Mit Lebensfreude als Basis unseres ökonomi
-
schen Erfolgs wird einer der größten Widersprüche
beseitigt, der uns seit der französischen Revolution
belastet und zu gesellschalichen Verwerfungen bis
hin zu Kriegen geführt hat. Es ist die Forderung nach
Freiheit, die bisher nicht mit dem Zwang, arbeiten zu
müssen, in Einklang zu bringen war. So ist aus einer
8 Der befreite Mensch
Forderung wie »Arbeit für alle« leicht abzulesen, dass
der Zwang zur Arbeit wie eine naturgesetzliche Not
-
wendigkeit verstanden wird. Selbst Religion und Phi-
losophie sind von diesem Zwang ausgegangen. Das
war bei Marx so und gilt bis heute als Grundlage der
vielen und sich in ihren Grundlagen widersprechen
-
den, ökonomischen Lehren. So hat beispielsweise
die von Marx vorgeschlagene Vergesellschaung des
ökonomischen Erfolgs der Arbeit, niemals ins Auge
gefasst, uns Menschen vom Zwang der Arbeit selbst
zu befreien.
Hier wird gezeigt, warum wir in der hybriden Welt
an dem Meilenstein unserer Menschheitsentwick
-
lung stehen, von dem ab wir statt eines Kompasses
ein Navigationssystem in der Hand halten, um uns in
einer Welt zurechtzunden, die vom Zwang arbeiten
zu müssen, befreit ist. In diesem Sinne können Politi
-
ker eine neue Chance nutzen und die hier gemachten
Vorschläge in Pilotprojekten von Wissenschalern
testen lassen.
Mit dem hier vorgestellten Konzept der fairen
Marktwirtscha, wird die Unterscheidung zwischen
den verschiedenen politischen Richtungen bedeu
-
tungslos. Jede hat die Chance, ihr soziales Anliegen
zu bewahren und die Gesellscha vom Zwang zur
Arbeit zu befreien.
Die seit der französischen Revolution strahlenden
Begrie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit erhalten
endlich ihre von ökonomischen Zngen befreite
Strahlkra.
9Drei Fragen, die zu beantworten sind
Drei Fragen, die zu beantworten sind
In diesem White-Paper geht es um eine Gesellscha,
in der ein großer Teil der Menschen durch intelligente
Automaten von Arbeit befreit ist. Die Wortkombina
-
tion »intelligente Automaten« steht in diesem Buch
für alle Formen der nichthumanen (künstlichen)
Intelligenz, wie sie vorwiegend durch digitale Elek
-
tronik realisiert ist. In diesem Sinne wird von einer
hybriden Welt gesprochen, in der die Intelligenz der
Automaten die natürliche Intelligenz des Menschen
zu einer größeren Einheit zum Vorteil der Mensch
-
heit ergänzt. Die intelligenten Automaten werden als
Roboter, Simulationsrechner, Suchmaschinen, Rat
-
geber ihre Leistung erbringen, um uns Menschen zu
helfen, in einer besseren aber auch komplexer wer
-
denden Welt zu leben und zu überleben.
Für diese hybride Welt sind die bekannten, markt
-
wirtschalichen Prinzipien so fortzuentwickeln, dass
eine angemessener Wohlstand für den individuellen
Menschen aus eigener Kra realisierbar ist. Diese Prin
-
zipien werden uns den Weg weisen, wie der sich ver-
größernde Abstand zwischen Arm und Reich in den
Nationen und zwischen ihnen zu überwinden ist, wie
Arbeitslosigkeit beseitigt wird, wie Flüchtlingsströme
auf humane Art und Weise zu beenden sind. Es wird
sich herausstellen, dass wir Menschen in dieser vor uns
liegenden hybriden Gesellscha eine neue Rolle ein
-
nehmen werden, die weitab vom herkömmlichen Bild
des ökonomisch handelnden Menschen liegt.
10 Der befreite Mensch
Intelligente Automaten werden an unsere Stelle tre-
ten und für uns Waren, Leistungen produzieren und
Kontrollfunktionen übernehmen, ohne dass sie dazu
Essen, Kleidung, Wohnraum, Freizeit, kulturelle An
-
gebote, Spiele, Spaß benötigen. Sie werden uns mehr
und mehr von Arbeit freistellen, weil ein Heer von
Forschern, Entwicklern, Ingenieuren, Erndern mit
jeder neuen Automatengeneration deren Intelligenz
verbessert. Je mehr intelligente Automaten am Wir
-
ken sind, desto größer ist die Anzahl der Menschen,
die ohne Arbeitseinkommen auskommen muss. Und
so steht die erste Frage im Raum:
Wie ist in einer hybriden Welt, in der unsere
Arbeitsplätze zunehmend durch intelligente
Auto maten übernommen werden, unser Ein
-
kommen gesichert?
Um ein sicheres Einkommen zu generieren, stehen
uns in einer Marktwirtscha mit dem Mittel der
Geldschöpfung mächtige Finanzierungsmechanis
-
men zur Verfügung. Sie sollen sich so nutzen lassen,
dass die zweite Frage zu beantworten ist:
Wie kann jeder lern- und bildungswillige Bürger
durch seine individuelle, frei wählbare Lernleis
-
tung in geregeltes, selbstbestimmtes Bildungs-
einkommen erzielen?
11Drei Fragen, die zu beantworten sind
Eine Marktwirtscha, die ein Bildungseinkommen
nanziert, das sich aus seinem eigenen Erfolg heraus
trägt, nennen wir faire Marktwirtscha. Der Erfolg
einer Gesellscha ist an ihrem Mehrwertsteuerertrag
abzulesen, weil wir die Mehrwertsteuer als den Pro
-
t ansehen können, den eine Gesellscha als Teil der
von ihr produzierten Waren und Dienstleistungen
erwirtschaet.
Wird das Bildungseinkommen per Geldschöpfung
unter Verwendung des Mehrwertsteuerauommens
nanziert, ist Bildung kein Kostenfaktor mehr. Bil
-
dung wird neben Arbeit zu einer direkten Einkom-
mensquelle, womit der Wohlstand weltweit über das
bisher erreichte Maß hinaus wachsen kann, weil zwei
Wohlstandsquellen am Wirken sind. Wohlstand für
alle ist keine Utopie mehr. Milliarden einkommenslo
-
ser Menschen, die hungernd und chancenlos die Erde
bevölkern, werden die Möglichkeit erhalten, sich aus
eigener Kra aus ihrem Elend zu befreien. Mit der
von ihnen erwirtschaeten Mehrwertsteuer schaen
sie vor Ort die Basis für ihren Wohlstand.
Mit dem Bildungseinkommen bestimmen wir
selbst, ob und wann wir eine Arbeits- oder eine Bil
-
dungsleistung erbringen. Wer von Arbeit befreit ist,
seinen Arbeitsplatz verliert, ihn aus freier Entschei
-
dung aufgibt und sich nach freier Wahl z. B. bei einer
Volkshochschule für einen Kurs entscheidet, mit dem
nachprüare Lerninhalte vermittelt werden, ist ein
Bildungsleistender (Lernender), ihm steht ein Bil
-
dungseinkommen zu. Derart ist Einkommenssicher-
12 Der befreite Mensch
heit auch in einer hybriden Welt, in der Menschen
Hand in Hand mit den intelligenten Automaten
zusammenarbeiten, gewährleistet, weil in ihr neben
Arbeit mit Bildung die zweite Einkommensquelle
nach freier Wahl erschlossen wird.
Die Einführung eines Bildungseinkommens steht
und fällt mit der Beantwortung der dritten Frage:
Kann eine Wirtscha funktionieren, wenn sich
ein großer Teil der arbeitsfähigen Menschen für
eine Bildung entscheidet, die fernab von den
Anforderungen der Arbeitswelt liegt?
Die überraschende Antwort ist, dass in einer hybri
-
den Welt, in der intelligente Automaten und Robo-
ter uns Menschen zunehmend von Arbeit freistellen,
eine Bildungsförderung, die fernab von den Anfor
-
derungen der Arbeitswelt liegt, zur treibenden Kra
hinter unserem Wohlstand wird. Die Kulturschaen
-
den tragen zukünig zum ökonomischen Erfolg bei.
Sie schaen die von der Arbeitswelt unabhängigen
Bildungswerte, in denen die Impulse stecken, die be
-
nötigt werden, um Wohlstand für alle zu schaen. Im
Gegenzug protieren die Kulturschaenden durch
nanzielle Beteiligung am ökonomischen Erfolg. Die
bisherige Sicht, dass kulturelle Leistung keinen Wohl
-
stand scha, ist hinfällig.
13Von der Ordnung in unseren Köpfen
Von der Ordnung in unseren Köpfen
Bevor wir eine ökonomische Ordnung in die Welt brin-
gen, das heißt, Produkte erstellen, Serviceleistungen
erbringen, müssen wir ein geordnetes Wissen in un
-
seren Köpfen erzeugen. Das geschieht durch Bildung.
Wird in diesem White-Paper von Bildung ge
-
sprochen, ist damit eine individuelle Aneignung von
Kenntnissen und Fähigkeiten gemeint, die ein Mensch
nutzen kann, um seine Welt zu seinem Vorteil zu ge
-
stalten, zu ordnen. Das gilt auch für die vor uns lie-
gende hybride Welt. Auch in ihr geschieht die Aneig-
nung von Kenntnissen, Fähigkeiten durch Lernen.
Vor diesem Hintergrund ist der Unterschied zwischen
Bildungs- und Arbeitsleistung oenkundig. Arbeits
-
leistung scha eine neue Ordnung in der »äußeren«
Welt, dazu werden zukünig intelligente Automaten
in erheblichem Maße beitragen. Lernleistung hin-
gegen scha einen neue Ordnung in unserer »in
-
neren« Welt. In diesem Sinne geht Lernleistung der
Arbeitsleistung voraus, weil wir uns erst Kenntnisse
und Fähigkeiten aneignen müssen, bevor wir sie zur
Ordnung, Änderung der äußeren Welt anwenden
können. Wird von Bildungsleistung gesprochen, ist
der Lernaufwand gemeint, mit dem wir eine neue
Ordnung unserer inneren Bildungswelt schaen. Wir
können sogar die Hilfe von Automaten, wie z. B. die
von automatischen Sprachtrainern in Anspruch neh
-
men, um als Ergebnis des Lernens die Neuordnung
unserer inneren Bildungswelt zu beschleunigen.
14 Der befreite Mensch
Diese neue Ordnung in uns, kann derart sein, dass
es sie nie zuvor in der Welt gegeben hat. Es handelt
sich in dem Falle um eine kreativ neu gestaltete, genu
-
ine Ordnung. Dazu ist nach unserem Wissen bisher
nur der Mensch fähig.
Letztlich hat die Evolution in uns Menschen Bil
-
dung als Prinzip der selbstbestimmten Umgestaltung
unserer inneren Welt hervorgebracht, womit wir
befähigt sind, die äußere Welt in unserem Sinne zu
gestalten. Wir überwinden die Evolution, weil wir
mit der Schaung von Neuem in uns, die äußere Welt
vom Vergangenen entkoppeln können. Was das im
Vergleich zur Welt der Tiere bedeutet, soll an einem
Beispiel verdeutlicht werden.
Wenn beispielsweise 100 Amseln ihre Nester bauen,
haben sie unzweifelha Neues in die Welt gesetzt. Sie
haben dazu informelle Strukturen in ihrem Gehirn
in reale der Welt umgesetzt, sie haben mit den Nes
-
tern eine bestimmte Ordnung ihrer inneren Welt
in die äußere Welt gebracht. Dabei haben sie nur so
viel Energie verbraucht, dass sie die weiteren An
-
forderungen an ihr Amselleben, wie Nachkommen
zu erzeugen, erfüllen konnten. Bauen 200 Amseln
ihre Nester, wird bei gleichen Rahmenbedingungen
(vergleichbare Umweltbedingungen) ziemlich genau
doppelt so viel Energie verbraucht, wie es für die 100
Nester der Fall war.
Diese Proportionalität, die wir in der Natur be
-
obachten können, gilt nicht, sofern die Wirkung des
Menschen ins Spiel kommt.
15Von der Ordnung in unseren Köpfen
Haben Tausende von Menschen in einer bestimm-
ten Art von Häusern gelebt, kommt ein Mensch auf
die Idee und führt eine neue, günstigere Bauweise ein,
verändert sich die Welt in einer Weise, wie es nicht aus
dem bis dato Vorhandenem der Welt abzusehen war.
Vor diesem Hintergrund müssen wir unsere Stel
-
lung in einer Welt der intelligenten Automaten neu
betrachten. Wir haben mit ihnen Systeme geschaen,
die uns nicht nur dort von Arbeit befreien, wo es um
reproduzierbare Aufgaben geht, wie es z. B. bei wieder
-
holbaren und kräezehrenden Arbeiten der Fall ist.
Das ist nicht neu und war bereits mit dem Einsatz von
Pferden (oder im schlimmsten Falle auch beim Ein
-
satz von Sklaven) bekannt und hat sich in der Indus-
trie mit den herkömmlichen Automaten fortgesetzt.
Die vor uns liegende Welt der intelligenten Automaten
geht weit über die Freisetzung des Menschen, wie sie
bisher durch Automatisierung gegeben war, hinaus.
Zunehmend sind Arbeiten im Büro, die z. B. hoch
-
geistige Beurteilungen wie ärztliche Analysen oder
Beurteilungen von juristischen Fragen erfordern, von
intelligenten Sowareprogrammen zu erledigen. Es ist
sogar absehbar, dass die Computerintelligenz auch in
-
novativ in dem Sinne ist, dass Lösungen für Probleme
gefunden werden, die bisher nur der Mensch nden
konnte. Das zeigen neueste Sowaretools, wie sie z. B.
beim Go-Spiel zum Einsatz gekommen sind und wie
sie zunehmend beim so genannten Deep-Mining,
dem Suchen nach unbekannten Datenzusammen
-
hängen im Web, angewandt werden.
16 Der befreite Mensch
Weil all das so ist, sind wir als von Arbeit befreite
Menschen vor völlig neue Aufgaben gestellt. Es liegt
eine neue hybride Welt vor uns, in der intelligente
Automaten unsere humane Intelligenz zu unserem
Vorteil ergänzen.
Apoll und Dionys
Werden wir in der vor uns liegenden Welt durch in-
telligente Automaten von Arbeit befreit, wird es uns
nicht genügen, wenn wir uns per Web-Klick mit Bil
-
ligprodukten eindecken können. Das gilt auch für den
Fall, dass diese von Automaten konkurrenzlos preis
-
wert und bei höchster Qualität hergestellt werden. Wir
leben nicht, um in eine One-Click-Welt hochquali
-
tativer, preiswert angebotener Massen ware versetzt
zu werden. Es geht um mehr. Es geht um Erhöhung
unserer individuellen Lebensfreude. Wir wollen un
-
sere Freizeit z. B. zum Radwandern nutzen, mit einer
Gitarre im geselligen Kreise musizieren, vielleicht an
einem Sportereignis im Ausland teilnehmen, Freunde
besuchen. Diese Freuden des Lebens können uns
Automaten nicht erfüllen. Wir leben zukünig in
einer hybriden Welt und damit in einem Spannungs
-
feld zwischen einer von Automaten geschaenen Welt
und dem, was wir vom Leben erwarten.
Die Frage ist, welche Art von Bildung brauchen wir
in dieser neuen Welt, in der die Automaten, Roboter
wie Sklaven für uns tätig sind?
69Hinweis für wissenschaftlich interessierte Leser
Hinweis für wissenschaftlich interessierte Leser
Die Darlegungen in diesem White-Paper beziehen
sich vielfach auf naturwissenschaliche Erkenntnisse.
Dazu sind mit folgenden Links weitere Ausführungen
zu nden:
H.-D. Kre (2016): Quadratic Prosperity Growth
Instead of Stagnation
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_
id=2768305
H.-D. Kre (2016), How to distinguish between
growth and wealth.
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_
id=2795360
H.-D. Kre (2015), ISO-Expert Contrbution: e
para digm of cloud computing.
Goo.gl/oEWjKm
Viele Gedankengänge zum ema sind auch in dem
Buch »Manifest Faire Marktwirtscha, Bildungsein
-
kommen bricht Arbeitsmonopol«, Lau-Verlag, Rein-
bek, ISBN 978-3-95768-186-7 zu nden.
Hinweise zur Person Kre:
https://goo.gl/u6Yauq