MANIFEST
FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
Hans-Diedrich Kreft
Leseprobe aus:
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© 2017 Lau-Verlag & Handel KG, Reinbek
Bildungseinkommen bricht Arbeitsmonopol
Schultze-Rhonhof: 1939. Der Krieg der viele Väter hatte (7. Auflage)
21.05.2014 Imprimatur Seite 2
Schultze-Rhonhof: 1939. Der Krieg der viele Väter hatte (7. Auflage)
21.05.2014 Imprimatur Seite 3
Gerd Schultze-Rhonhof
Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg
8. Auflage
Der Krieg, der viele Väter hatte
1939
Schultze-Rhonhof, 1939.indb 3 21.05.14 12:02
MANIFEST
FAIRE
MARKT
WIRTSCHAFT
Bildungseinkommen bricht Arbeitsmonopol
Hans-Diedrich Kreft
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Printed in Germany
Inhalt
Vorwort ........................................ 7
1. Um was es geht ................................ 9
2. Das sich selbst tragende Bildungseinkommen ...... 11
Bildungseinkommen am Beispiel einer Familie erklärt ..... 13
Bildungswertpapiere auf gesellschalicher Ebene . . . . . . . . . . 18
Das Bildungseinkommen in der fairen Marktwirtscha .... 22
Die faire Marktwirtscha in der Wissenschasgeschichte 23
Die Zukun mit intelligenten Automaten gestalten. . . . . . . . . 25
Arbeits- und Bildungseinkommen im Vergleich . . . . . . . . . . . 27
Aufgaben der Agentur für Bildung und Arbeit (ABA) . . . . . . 29
Die geänderte Nachfrage in der fairen Marktwirtscha . . . . . 31
Wie ökonomischer Erfolg und
kulturelle Bildung zusammenhängen .................... 32
Geld ist nur für neu Entstehendes in der Welt . . . . . . . . . . . . . 33
Geldwertstabilität und Bildungswertpapiere .............. 34
Der Wert von Ausbildungskursen ....................... 36
Bildungsgrundeinkommen und
bedingungsloses Grundeinkommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
Anmerkungen zum bedingungslosen Grundeinkommen .... 40
VHS, Museen, eater und Fachleute als Kursanbieter ..... 41
3. Faire Marktwirtschaft und Weltgemeinschaft ....... 45
Europa und faire Marktwirtscha ....................... 47
Bildungswertpapiere als globale Aufgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
Überleben in einer kosmischen Nische . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
4. Was ist Bildung, was ist Arbeit? ....................... 53
Wissen, Nutzen, Geldschöpfung, Wachstum . . . . . . . . . . . . . . 54
Feuerholz und intelligente Automaten ................... 60
Ex post und ex ante Wissen ............................ 60
Keine Dog-Food-Ketten ............................... 64
Zur Geld- bzw. Kapitalkumulation ...................... 67
5. Fokus Partei: Bildungseinkommen Schritt für Schritt .... 69
Es liegt eine große Aufgabe vor uns . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Was spricht für die Fokus Partei? ........................ 72
Vorteile des Bildungseinkommens ...................... 74
Mit der Fokus Partei die politische Mitte stärken .......... 74
Die neue Rolle der Internet-Community ................. 75
Richtlinien für Fokus-Abgeordnete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
Fokus-Abgeordnete als belebendes Element
im Parlament ......................................... 79
Vertane Chancen ..................................... 80
6. Hans-Diedrich Kreft – Ein Lebensbild .............. 85
7. Literaturhinweise .............................. 105
Vorwort
Rationalisierung und Automatisierung bringen es mit sich, dass – je
nach Rationalisierungs- und Automatisierungsgrad – ein Teil der
Menschen im Arbeitsprozess überüssig wird. Sie scheiden aus dem
Produktionsprozess aus und stehen fortan auf der Straße. Ausgemus
-
tert aus dem Arbeitsprozess droht ihnen der Abstieg ins soziale Abseits
und damit verbunden die Armut. Das viel beklagte Ausei nanderklaen
der Schere zwischen Reich und Arm wird sich noch verstärken.
In zahlreichen Talkshows oenbart sich, dass weder Politiker, noch
Wirtschasbosse, noch Wissenschaler ein Konzept haben, um alle
Menschen auf die technologische Reise in unsere Zukun mitzu
-
nehmen und dabei Wohlstand für alle zu garantieren. Im Gegenteil:
Vielmehr wird in den sogenannten Expertengesprächen bei vielen
Menschen die ohnehin schon vorhandene Angst vor der drohenden
Arbeitslosigkeit mit Hinweis auf die Arbeitsplatzvernichtung durch
intelligente Automaten verstärkt.
Die Vorstellung, keine Angst mehr vor einem Arbeitsplatzverlust
und dem damit verbundenen sozialen Abstieg haben zu müssen, dass
es eine Möglichkeit gibt, wie sich verschuldete Staaten entschulden
und stattdessen Wohlstand für alle garantieren können, ist mit Vorlage
dieses Manifests keine Utopie mehr, kann real für uns alle werden.
Fortschrittlich denkende Menschen, Politiker, Ökonomen, Mana
-
ger, Studenten, vor allem aber auch junge Menschen nden im vor-
liegenden Manifest nicht nur eine überzeugende Darstellung, wie
mit dem selbstbestimmten Bildungseinkommen das Monopol der
Arbeit gebrochen werden kann, sondern sie nden auch tragfähige,
fundierte und validierbare Argumente, die jeder Diskussion und jeder
Anfeindung standhalten.
Wer die Argumente kennt, kann die Geschichte von der Erneu
-
erung der sozialen Marktwirtscha durch die Faire Marktwirtscha
überzeugend in die Welt hinaustragen und vertreten – zum Wohl
8
MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
aller Bürger. Angesichts der zunehmend auauchenden Populisten,
Gesundbeter, selbsternannten Heilsprediger und der Ratlosigkeit der
Politiker jedweder Couleur bei der Durchsetzung sozialer Gerechtig
-
keit, bei der Verhinderung des unaualtsamen Auseinanderklaens
der Schere zwischen Arm und Reich, wird es Zeit, dass die Bürger
aller Länder ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und für ein
selbstbestimmtes Bildungseinkommen eintreten. Das Manifest liefert
die Anleitung dazu.
Wir dürfen nicht darauf bauen, dass die Entscheidungsträger
unserer Gesellscha die hier beschriebene faire Marktwirtscha durch
Umlegen der von ihnen beherrschten Hebel, sozusagen von Oben nach
Unten, einführen. Dazu fehlt ihnen bisher, was hier beschrieben ist.
Dies Manifest ist ein Navigationssystem auf dem Weg in eine neue
Gesellscha. Die erste Wegmarke ist die Erkenntnis, dass sowohl Bil
-
dung wie auch Arbeit jeweils eine eigene Einkommensquelle in un-
serer zukünigen Gesellscha ist. Setzt sich diese Erkenntnis durch,
werden die Menschen, ob Jung oder Alt, frei und selbstbestimmt ent
-
scheiden, ob und wie sie eine bezahlte Lern- oder Arbeitsleistung er-
bringen wollen.
Wer das Manifest gelesen hat, wird erkennen, dass es keine funkti
-
onierende Wirtscha gibt, die ohne kulturellen Einuss – allen voran
Bildung – auskommt und er wird Abschied nehmen von der tief ver
-
wurzelten Illusion, dass Arbeitslosigkeit allein durch Wirtschas-
wachstum im herkömmlichen Sinne zu beseitigen sei. Vielmehr wird
er erkennen, dass in einer fairen Marktwirtscha intelligente Auto
-
maten für uns Menschen Aufgaben übernehmen, womit sie die Zeit
freimachen, in der der nicht arbeitende Teil der Gesellscha selbst
bestimmt, wie er ein sicheres Bildungseinkommen für sich generiert.
Gerne möchte ich an dieser Stelle auch den Mitarbeitern des
Lau-Verlages Dank sagen. Insbesondere gilt das für Verleger Willi
J. Lau. Ohne das Engagement und die nanzielle Unterstützung des
Verlages wäre dies Manifest nicht mehr rechtzeitig in die Öentlich
-
keit gekommen.
Hans-Diedrich Kre, Dassendorf, Februar 2017
Vorsitzender Fokus Partei
1. Um was es geht
Wissen, nicht Arbeit ist die Urkra hinter ökonomischem Erfolg.
Wissen wird in modernen Gesellschaen durch Bildung vermittelt.
In diesem Manifest wird gezeigt, wie Wissen und ökonomischer Er
-
folg sich gegenseitig so fördern, dass acht Milliarden Menschen auf
unserer Erde versorgt werden. Dazu ist ein Bildungseinkommen ein
-
zuführen:
Jeder lern- und bildungswillige Bürger
soll zukünftig durch seine individuelle,
frei wählbare Lernleistung ein geregeltes,
selbstbestimmtes Bildungseinkommen erzielen können.
Eine Marktwirtscha, die dies Ziel erreicht, heißt faire Marktwirt-
scha. Sie ist fair, weil sie ein Einkommen aus Bildung in die Hand
von uns Menschen legt, weil sie die Jugend aus ökonomischen Zn
-
gen befreit, weil sie den Abstand zwischen Arm und Reich in den
Nationen und zwischen den Nationen verringert, weil sie eine fried
-
lichere Welt scha.
Wenn Menschen ihre Unzufriedenheit zu Tausenden auf die Straße
tragen, wenn Idealisten ihre Zelte demonstrativ vor Banken aufschla
-
gen, wenn die Machenschaen von Steuerhinterziehern und Geheim-
diensten durch Whistleblower oengelegt werden müssen, wenn
Menschen auf Umwelt verschmutzende Schornsteine klettern, wenn
sie Walfänger auf oener See von ihrem Geschä abhalten, wenn Kir
-
chen die Fliehenden schützen müssen, wenn Ärzte in Kriegsgebieten
ihr Leben aufs Spiel setzen, Richter, Staatsanwälte, Polizisten sich
mutig gegen kriminelle Machenschaen stellen, zeigt eine demokrati
-
sche Gesellscha, dass sie lebt.
Und sie zeigt, dass sie anders leben will.
Ein Angebot dazu ist dieses Manifest.
10
MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
Deutschland könnte mit seiner Finanzkra Schritt für Schritt das
Bildungseinkommen zunächst in Deutschland und anschließend in
Europa einführen. Dazu muss sich Europa zu einem Staatenbund mit
einer gemeinsamen, demokratisch gewählten Regierung entwickeln.
Nur so werden die europäischen Menschen hinter der großen Idee
eines vereinten Europas stehen. Geht Europa auf diesem Weg voran,
wird es der Schrittmacher für den Weg auch zu einer friedlichen, glo
-
balen Gesellschasentwicklung sein.
In diesem Manifest ist beschrieben, wie all das zu erreichen ist.
2. Das sich selbst tragende Bildungseinkommen
Die Angst vor Armut durch Arbeitslosigkeit geht in Europa und der
Welt um. Die Forderung, Arbeit für alle zu schaen, ist unerfüllbar
für acht Milliarden Menschen. Unsere Erde würde unter den produ
-
zierten Abfällen ersticken.
Und doch gibt es eine Lösung. Wer Bildungswissen nanziert, pro
-
duziert keine Müllberge und scha Einkommen für alle. Davon han-
delt dies Manifest.
Niemand hat hinterfragt, warum Arbeit die einzige Quelle des
Wohlstands für alle sein muss, wenn doch Bildungswissen die Voraus-
setzung für eine ökonomisch wertvolle Arbeit ist.
Wenn Bildungswissen die Urkra hinter dem ökonomischen Er
-
folg moderner Gesellschaen ist, warum wird dann Arbeit und nicht
Bildung bezahlt? Es ist es doch unser Bildungswissen, das wir vor je
-
der Arbeit und während der Arbeit nutzen, um zu schreiben, Steine
zu stapeln, sauber zu machen, um in all diesen Fälle mit überlegten
Schritten unser Arbeitsziel zu erreichen. Für die Arbeit zum Stapeln
von Steinen gibt es Geld und es gibt zu recht Gewerkschaen, die auf
-
passen, dass genügend Geld dafür gezahlt wird.
In der fairen Marktwirtscha werden die Vorteile der Marktwirt
-
scha zusätzlich genutzt, um Bildungsleistung per Einkommen zu
belohnen. Eine Marktwirtscha bringt alles für diese Vision mit. Sie
scha durch den sparsamen Einsatz von menschlicher Arbeitskra
arbeitsfreie Zeit. Sie glänzt mit abnehmenden Beschäigtenzahlen.
Es gibt keinen Grund, der gegen die Vision einer Gesellscha
spricht, in der ein kleiner Teil der Menschen arbeitet, weil viele Arbei
-
ten von intelligenten Automaten übernommen werden. Und richtig
betrachtet, war die Befreiung von Arbeit seit eh und je das eigentliche
Ziel der Arbeit. Was bleibt, ist die Frage, was wir mit der gewonnenen
Zeit anfangen. Dies Manifest sagt es. Die gewonnene Freizeit ist als
Bildungszeit zu nutzen.
12
MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
Wie konnten wir nur so lange unbeachtet lassen, dass jeder – ja
jeder – Arbeitsleistung eine Bildungsleistung vorausgeht? Den
Silhouetten unserer Städte ist eine Lernleistung in unseren Köpfen
vorausgegangen. Wir mussten lernen, Häuser zu bauen, sie zu berech
-
nen, mussten lernen, Arbeit zu organisieren, Verträge zu schließen
und vieles mehr. Nach dem Lernen wussten wir, wie richtig zu bauen
ist. Und wenn etwas vor unseren Augen sichtbar, greiar entsteht,
belohnen wir es mit Einkommen. Wir sagen, du darfst dir etwas kau
-
fen, wenn du etwas Sichtbares, Zählbares in die Welt setzt. Lernst du
hingegen, um deine innere Welt zu ändern, setzt du nichts Zählbares
in die Welt, da musst du selber sehen, wie du klarkommst. Gilt diese
Sicht noch in der Welt der Automaten? Zählt in ihr unsere humane
Bildung auf eine ganz neue Art und Weise, weil Automaten humane
Bildung nicht können?
All das sind Fragen, die in diesem Manifest behandelt werden.
Wie konnten wir es zulassen, dass der Arbeitslose – und es ist bei-
leibe nicht nur der Arbeitsverweigerer ohne Berufsausbildung –, der bis
zu seiner Entlassung den Erfolg der Wirtscha mit erarbeitet hat, von
dem Erfolg nichts hat, dass selbst sein eingespartes Gehalt Arbeitgeber
und Arbeitnehmer unter sich aueilen? Das Einkommens monopol
der Arbeit kennt kein Pardon. Wer keine Arbeit hat, hat kein Einkom
-
men, wird zum Almosenempfänger der Gesellscha.
Eine Marktwirtscha, in der das anders ist, in der die Lernleis
-
tung mit Einkommen belohnt wird, ist eine faire Marktwirtscha.
Sie ist fair, weil es zum Einkommen aus Arbeit eine Alternative, das
Bildungseinkommen gibt. Wer bereit zum Lernen ist, hat Anspruch
darauf.
Die faire Marktwirtscha gibt auf die alles entscheidende Frage
»Wie ist das Bildungseinkommen zu nanzieren?« eine faszinierende
Antwort:
Das Bildungseinkommen trägt sich selbst aus dem Erfolg heraus,
den es schafft.
Du bist elektrisiert. Wenn die faire Marktwirtscha scha, was hier
gesagt wird, können wir, du, ich direkt in eine unmittelbar vor uns
13
2. DAS SICH SELBST TRAGENDE BILDUNGSEINKOMMEN
liegende, neue Zukun aurechen. Dies Manifest wird uns auf dem
Weg dorthin wie ein Navigator begleiten.
Dies Manifest zeigt den politischen, marktwirtschalich orien
-
tierten, demokratischen Parteien, wie sie sich aus dem Klein, Klein
des politischen Tagesgeschäes befreien können, um dem suchenden
Wähler wieder einen großen Entwurf, eine Vision zu bieten. Um die
faire Marktwirtscha mit entsprechendem Schwung in die politi
-
sche Arena zu bringen, wurde die Fokus Partei gegründet. Sie tritt
zur Bundestagswahl an, um anderen Parteien bei der Einführung des
selbstbestimmten Bildungseinkommens zu helfen.
Bildungseinkommen am Beispiel einer Familie erklärt
Eine Botscha wird uns auf dem Weg zu unserer zukünigen Gesell
-
scha mit fairer Marktwirtscha leiten:
Jeder lern- und bildungswillige Bürger
soll zukünftig durch seine individuelle,
frei wählbare Lernleistung ein geregeltes,
selbstbestimmtes Bildungseinkommen erzielen können.
Du denkst, das ist ein Traum? Es ist eine realisierbare Vision.
Schauen wir uns dazu am Beispiel einer kleinen Geschichte an,
wie Bildungsleistung bereits in unserer heutigen Gesellscha auf der
Mikro ebene, also in der Familie als einer ökonomischen Einheit zu
nanzieren wäre. Es soll damit das Prinzip der Geldschöpfung bei
-
spielha verdeutlicht werden.
In unserer kleinen Geschichte geht es nicht um Reich oder Arm.
Sie zeigt einfach, wie frisches Geld für Bildungsleistung in die Welt
kommt. Wer die Botscha der Geschichte im Kopf hat, wird den Be
-
gri der Geldschöpfung, der in diesem Manifest wieder und wieder
verwendet wird, problemlos verstehen.
Wir stellen uns vor, dass eine junge Frau ein Studium aufnehmen
möchte. Sie ist als jüngster Spross einer sechsköpgen Familie eine
typische Nachzüglerin mit einem beträchtlichen Altersabstand zu
33
2. DAS SICH SELBST TRAGENDE BILDUNGSEINKOMMEN
nis dieses langen Prozesses sehen wir, wenn ein Laserpointer benutzt
wird oder wenn eine Diskothek den nächtlichen Himmel mit Laser
-
strahlen »verschönert«. Ebenso kann hier angeführt werden, dass
viele Musicals zur Wirtschasleistung einer Gesellscha beitragen,
deren Ursprünge häug zunächst in Büchern, Romanen etc. (also rein
kulturell, mit unvorhersehbarer wirtschalicher Auswirkung) vorge
-
legen haben.
Aus all dem folgt, die kulturelle Bildung darf nicht gegenüber der
ökonomisch momentan nutzbaren, nanziell benachteiligt werden.
Geld ist nur für neu Entstehendes in der Welt
Bei der herkömmlichen Geldschöpfung ießt Geld in Form eines
Kredites von der Bank an den Staat, eine Firma oder Person. Geht
es zum Beispiel um einen Hotelbau, wird die Bank vor der Freigabe
des Kredites die Zukunsaussichten (den zukünigen Wert, den Zu
-
kunswert) des geplanten Hotels prüfen, d. h. sie will wissen, wie die
Einnahmen-, Ausgabensituation des fertigen Hotels aussehen wird.
Sind all die Fragen zufriedenstellend beantwortet, gewährt die Bank
den Kredit. Es kommt Geld in die Welt.
Für das abießende Geld stellt die Bank eine Rückforderung in ihre
Bücher ein. Sie erwartet, dass sie das abgeossene Geld (plus Zinsen)
vom Schuldner zurückbekommt. Im Beispiel des Hotelbaues wäre der
Bauherr der Schuldner. Nach einem zurückgezahlten Kredit liegt das
verliehene Geld wieder bei der Bank, es ist nicht mehr in der Welt.
Die Forderung der Bank gegen den Bauherrn als Kreditnehmer ist
erloschen. Dieser Vorgang heißt Geldvernichtung.
Wir können die Sache vereinfacht so sehen: Es ist nur solange Geld
in der Welt, wie Neues im Entstehen ist.
Ist z. B. der Bankkredit für den Hotelbau zurückgezahlt, ist die ur
-
sprüngliche Geldmenge für den Hotelbau wieder bei der Bank. Gibt
es weiterhin Einnahmen für den Hotelinhaber durch bezahlte Über
-
nachtungen, muss dazu Geld aus Projekten, die irgendwo auf der Welt
entstehen, in die Taschen der Hotelgäste ießen, die davon ihre Über
-
nachtungen bezahlen. Wird also irgendwo Geld für Übernachtungen,
47
3. FAIRE MARKTWIRTSCHAFT UND WELTGEMEINSCHAFT
zusteht. Das heißt, jeder Erdenbürger, jede Nation, Institution hat die
Chance, die Einhaltung des vom Weltparlament verfassten Weltrech
-
tes einzuklagen.
Die Fehler von UNO und EU, Institutionen zu schaen, in denen
die entscheidenden, politischen Prozesse von Gremien bestimmt
werden, die von Staatsregierungen und nicht von den Menschen
direkt auf demokratischem Wege legitimiert sind, müssen vermieden
werden.
Europa und faire Marktwirtschaft
Geht Deutschland mit der Einführung der fairen Marktwirtscha
voran, ist das der Auruch zu einem neuen, sich von Schulden be
-
freienden Europas. Europa steht mit der fairen Marktwirtscha und
dem Bildungseinkommen eine Frischzellenkur bevor. Die Pilot
-
projektspezialisten der EU könnten z. B. in Griechenland sofort die
Einführung des selbstbestimmten Bildungseinkommens realisieren.
Die europäische Zentralbank bringt alle Voraussetzungen mit, um
die entsprechende Geldschöpfung für das euroische Bildungsein
-
kommen zu starten. Europa kann als Solidargemeinscha neu er-
wachsen. Die Angst einiger EU-Staaten sich mit Schulden anderer
EU-Staaten zu belasten wäre unbegründet, weil die Geldschöpfung
für das Bildungseinkommen aus der jeweiligen Mehrwertsteuer der
Nationennanziert wird.
Jede europäische Nation kann aus eigener Kra gesunden.
Weil die Staaten Europas sich mit der Einführung einer fairen
Marktwirtscha verstärkt um ihre gemeinsamen Aufgaben, wie Stär
-
kung und Verteidigung der äußeren Sicherheit, Schlichtung kriegeri-
scher Auseinandersetzungen in anderen Regionen, Bekämpfung der
weltweiten Armut, Übernahme von Menschheitsaufgaben kümmern
können, stabilisiert Europa nicht nur sich, sondern auch den Frie
-
den auf unserer Erde. Das müsste jeden Europäer mit Stolz erfüllen,
würde das europäische Gemeinschasgefühl stärken.
Mit Freude Europa schaen, das klingt in der europäischen Hymne
mit: »Freude, schöner Götterfunke«.
48
MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
Letztlich ist es die Aufgabe der Staaten, das sichere Leben (auch
Überleben) einer Gesellscha unter einem schützenden Dach zu
gewährleisten. Europa ist solch ein Dach. Was unter dem Dach ge
-
schieht, ist – im Gegensatz zu manch einem Überbleibsel aus der Feu-
dalzeit, wie z. B. einem verstaatlichten Bildungssystem – nicht Sache
des Staates. In diesem Sinne ist Bildung eine ureigene Sache des indi
-
viduellen Menschen und seiner Gesellscha. Bildung steht als Teil der
Kultur auch über der Wirtscha, die ganz entscheidend von Kultur
und Bildung abhängt. Vor diesem Hintergrund kann Europa mit sei
-
ner kulturellen Vielfalt punkten.
Mit dem per Geldschöpfung nanzierten Bildungseinkommen
werden die nationalen Staatshaushalte der europäischen Nationen
von der Kostenlast für Studenten, Schüler, Ausbildungseinrichtungen,
Arbeitslosenunterstützung, Arbeitswiedereingliederung und vieles
mehr, entlastet. Und wir befreien die Schüler(innen), Studenten(in
-
nen) aus der Almosenstellung, die sie als Schulgeldempfänger oder
Stipendiaten europaweit haben.
Das Bildungseinkommen kann jede Nation Europas nach eigenem
Ermessen einführen. Fangen einige Nationen an, wird der Funke von
Nation zu Nation überspringen. Politiker müssen umdenken. Wer nicht
mitmacht, verliert die Jugend, die bildungs- und einkommenshungrig
fordert, was ihr im Nachbarstaat mit der fairen Marktwirtscha vor
-
gemacht wird. Eine gebildete Jugend wird die unterschiedlichen Kul-
turen in Europa wie auf unserer Erde akzeptieren und wertschätzen.
Die faire Marktwirtscha fördert die klare Trennung von Staat,
Bildungs- und Wirtschassystem. In herkömmlichen Gesellschaen
nehmen die politischen Einüsse zu, weil Politiker zu Wahlen je
-
weils ihre Möglichkeiten der Haushaltsgestaltung nutzen, um sich bei
Wählergruppen, mal dieser, mal jener, mit Versprechungen »hübsch
zu machen«. So entsteht ein Wildwuchs an politischen Eingrien in
Wirtscha, Gesellscha und Bildung. Zumeist wird durch Umvertei
-
lung den einen genommen und den anderen gegeben. Zu einem Zeit-
punkt schlägt die Diskussion um den Mindestlohn hohe Wellen und
urplötzlich sind vor einer Wahl Forderungen nach einem Grundein
-
kommen zu erfüllen. Wählerstimmen einfangen ist die Parole. Nach
der Wahl ist manches anders. So ist Demokratie.
49
3. FAIRE MARKTWIRTSCHAFT UND WELTGEMEINSCHAFT
Geht es um den sozialen Frieden in Europa, müssen wir dem wach-
senden Abstand zwischen Arm und Reich in den Nationen und zwi-
schen den Nationen Einhalt gebieten. Es herrscht in unseren Markt-
wirtschaen schon lange keine Leistungsgerechtigkeit mehr. Das
zeigen die Reichtümer, die Boni-Manager nach Hause tragen, ohne
dass reale Werte in der Welt geschaen wurden. Diese Banker, Wirt
-
schasbosse, die die ihnen anvertrauten Schie auf Grund gesetzt
haben und mit stolz geschwellter Brust und mit Millionenabndungen
reuelos von Bord gegangen sind, sollten in den Geschichtsbüchern in
einer Reihe mit Kriminellen stehen. Die faire Marktwirtscha lässt
wenigstens die von ihnen Entlassenen nicht im Regen stehen, gibt ih
-
nen die Möglichkeit, ihr Bildungseinkommen zu generieren.
Zum Flüchtlingsthema kann Europa einen besonderen Beitrag
bieten. 100 Euro pro Monat einem(r) Jugendlichem(r) in einem be
-
dürigen Land für geprüe Bildungsleistung überwiesen, ist ein Rie-
senanreiz, der der ganzen Familien hil. Damit kann der Extremis-
mus dort bekämp werden, wo er entsteht, in den armen Ländern
dieser Welt.
Wer aus einem Land ieht, in dem die EU ein Bildungseinkommen
nanziert, kann ohne moralische Bedenken zurückgewiesen werden.
Bildungswertpapiere als globale Aufgabe
Das Wissen über Menschenrechte, Religionen, Kulturen, über unter
-
schiedliche Weltinterpretationen ist lebendige, hautnahe Geschichte,
gehört zum Grundbildungswissen der Menschen und ist der erste
Schritt zum globalen Frieden. Was zwischen den Staaten geschieht,
ist per Weltverfassung zu regeln. Die Chance zu einer friedlichen Welt
liegt mit dem Anstieg des Bildungswissens und der Schaung eines
international bestimmten Bildungskanons zum Greifen nahe vor uns.
Auch hier heißt es, den Sprung zu wagen.
Angenommen, die europäischen Staaten stellen gemeinsam pro
Jahr 60 Milliarden Euro für Entwicklungshilfe zur Verfügung, wären
das pro Monat 5 Milliarden Euro. Davon könnte für 50 Millionen bil
-
dungswillige Menschen pro Monat ein individuelles Bildungseinkom-
60
MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
stößt. Im Gegensatz dazu ist eine Grenze unseres Bildungswachstums
unbekannt.
Feuerholz und intelligente Automaten
Wir kennen Rasenmäher, die rastlos kreuz und quer über den Rasen
fahren und das Gras kurzhalten. Sie fahren zu den vorgesehenen
Steckdosen, um Energie nachzuladen. Einige Dutzend oder Hundert
Jahre weitergedacht, werden in den Beeten unseres Gartens kleine
Roboter den Boden wässern und das Überhandnehmen von Wühl
-
mäusen bekämpfen.
Du, ich, wir werden auch in der Zukun Gärten lieben und wäh
-
rend der kalten Jahreszeit gerne vor einem Holzfeuer sitzen und es
uns dort gemütlich machen. Draußen wird es intelligente Automaten
geben, die einen Baum in Feuerholz zerlegen. Irgendwann werden sie
auch Baumsetzlinge aussetzen und für den Fortbestand des Waldes
sorgen. So werden wir uns mit Automaten viele Wünsche erfüllen und
werden ihnen Aufgaben übertragen, die wir nicht erledigen wollen.
Die faire Marktwirtscha ist der erste Schritt auf dem Weg zur Befrei
-
ung von Arbeit, ohne dass damit Nachteile verbunden sind.
Ex post und ex ante Wissen
Was ist nun das besondere Wissen, das die faire Marktwirtscha
durch das Bildungseinkommen fördert?
Wir nennen es ex ante Wissen. Es muss im Voraus vorliegen, um
den späteren Erfolg zu gewährleisten. Wir mussten beispielsweise im
Voraus wissen, dass die Menschen im Winter Holz benötigen wer
-
den. Hat sich der Erfolg eingestellt, konnten wir den Kredit zurück-
zahlen, liegt ex post Wissen, also Wissen im Nachhinein vor. Dieses
ex post Wissen ist faktisch, weil es sich auf ein nachweisbares Ergeb
-
nis, z. B. den Gewinn aus dem Holzverkauf bezieht. Jeder Gewinn ist
der unumstößliche ex post Beweis, dass ex ante Wissen erfolgreich
war. Er ist ein Maß für das erfolgreiche Zusammenwirken kompli
-
61
4. WAS IST BILDUNG, WAS IST ARBEIT?
zierter Wissensvorgänge (Entscheidungsprozesse) in menschlichen
Gehirnen.
Wir können im Nachhinein (ex post) komplett erklären, welche
physikalischen Prozesse zur Durchführung eines Projektes, d. h. zur
Veränderung der Welt nötig waren. Wir haben oben ausgeführt, dass
Physiker mit der Entropie sogar eine messbare Größe haben, mit der
exakt zu bestimmen ist, wie groß der Ordnungsgewinn ist, wenn
Menschen die Welt verändern. Nicht erklärbar ist im Voraus, welche
Entscheidungsprozesse zu nden sind, um unsere Welt neu zu gestal
-
ten. Ein Ernder, ein Forscher reichen, um uns Ergebnisse zu liefern,
mit denen wir unsere Entscheidungsprozesse neu ordnen können.
Die Dampfmaschine ist solch ein Beispiel und Einsteins Formel der
Äquivalenz von Energie und Masse ist ein anderes.
Wie der Zusammenhang zwischen Wissen und Geld mit operablen
Wissenseigenschaen zu erklären ist, wurde durch die Humatics
geklärt, das human bit ist die Messeinheit dafür, die ökonomische
Temperatur wurde als ökonomisches Äquivalent zur physikalischen
Temperatur entdeckt. Wie hingegen die geistige Eigenscha Wissen
auf die materielle Welt so wirken kann, dass eine neu geordnete, für
Menschen vorteilhae Welt vor unseren Augen entsteht, ist bisher we
-
der wissenschalich noch philosophisch geklärt. Wir wissen einfach
nicht, wie vorab (ex ante) eine Ordnung in unserem Gehirn entsteht,
die sich dann ex post in der Welt abbildet. Selbst wenn wir die Ord
-
nungszunahme per Entropie im Gehirn messen könnten, bevor sie
sich zu einem realen Projekt in der sichtbaren Welt formt, würde es
nur besagen, dass ein Naturgesetz der Physik (Zweiter Hauptsatz der
ermodynamik) auch für das Gehirn gilt.
Die ungelöste Problematik ist sehr einfach am Beispiel einer ge
-
raden Linie zu erklären. Angenommen wir schichten die sehr unter-
schiedlichen Holzscheite aus unserem Baumbeispiel hinter dem Haus
so auf, dass sie in Augenhöhe eine deutlich erkennbare, gerade Linie
ergeben. Wir wollen wissen, wie gut das gelungen ist und legen ein
langes Brett auf das gestapelte Holz und darauf eine Wasserwaage. Die
zeigt fast exakt ein waagerecht liegendes Brett an. Wir haben also tat
-
sächlich eine gerade Linie mit unserem gestapelten Holz in die Welt
gebracht.
62
MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
Wo war die gerade Linie zuvor im Gehirn? Dort sind Milliarden
von Gehirnzellen mit einem Wirrwarr von synaptischen Verbin
-
dungen. Dort war bisher keine gerade Linie zu entdecken. Auch die
Aussage, es ist ein Komplex von verknüpen Strukturen, in denen
sei die gerade Linie verborgen, hil nicht weiter. Wir müssen laufend
komplex verknüpe Strukturen nutzen, die irgendetwas Ähnliches an
sich haben, um überall in der Welt eine gerade Linie zu erkennen.
Das Ähnliche des Komplexen ist ebenfalls so eine abstrakte Idealisie
-
rung wie eine gerade Linie. Da es in der ganzen Natur nirgendwo eine
idea ltypische, gerade Linie gibt, dergleichen also ein abstraktes, nicht
reales Gebilde ist, stehen wir vor der uralten, philosophischen Frage,
die von Philosophen, neu formuliert, lautet: Wie hängt in der einen
Welt, in der wir leben, das Abstrakte (im Gehirn) mit dem Konkreten
(in der Welt) zusammen?
Hinzu kommt, dass wir einen freien Willen haben. Das muss so
sein, weil durch Menschen Neues, das durch nichts in der Natur ent
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stehen konnte, in die Welt gekommen ist. Entscheiden wir uns für
einen von mehreren möglichen Wegen, ist etwas völlig Unvorherseh
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bares geschehen. Dass das auch für Kunstwerke, Gebäude, gefaltete
Papiersegler und eine Sonde auf dem Mond gilt, sei beispielha an
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geführt. So sind all die Entropie-Veränderungen auf der Erde (Städte,
Staudämme, Autos), die Sonden im Sonnensystem (auf dem Mond,
auf dem Mars) Beweise für einen freien Willen.
Da wir nicht wissen, wie eine gerade Linie in die Welt kommt, mu
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tet es wie ein Wunder an, dass die Marktwirtscha die von Naturwis-
senscha und Philosophie ungeklärte Frage, wie das Abstrakte auf das
Reale wirkt, irgendwie durch zählbare Geldscheine löst.
Wir können hier Einsichten geben, die bisher in der Ökonomie so
nicht zu nden waren.
Konkret sieht das so aus: Wer etwas anbietet, argumentiert mit
zukünigen Vorteilen, nutzt also ex ante Wissen, nutzt etwas nicht
konkret Vorliegendes. Wer ein Gut nachfragt und Geld hat, schätzt
ein, ob das zu kaufende Gut in der Zukun für ihn einen Wert hat.
Dazu nutzt er ebenfalls ex ante Wissen. Das heißt, bei der Nachfrage
wie auch beim Angebot ist ex ante Wissen erforderlich. Kommt es zu
einem Kauf, hat in zwei Gehirnen ex ante Wissen vorgelegen. Die In
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4. WAS IST BILDUNG, WAS IST ARBEIT?
dividuen teilen sich mit, dass ihr jeweiliger individuell empfundener
Zukunswert mit einer Anzahl von Geldmünzen zu denieren ist.
Was genau im jeweiligen Gehirn als Vorstellung vorlag, ist unbekannt
geblieben und hat doch ein Ergebnis in die Welt gesetzt.
Letztlich können wir sagen, um Geldschöpfung und Geldvernich
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tung auszugleichen, ist also der zweifache Einsatz von ex ante Wissen
erforderlich. Damit löst die Marktwirtscha die oene Frage wie Wis
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sen auf Materie wirkt, indem sie ex ante Wissen zur Bewertung von
ex ante Wissen zulässt. Es wird also die eigentliche Frage, wie etwas
Geistiges auf Materie wirkt, nicht beantwortet. Wir wissen aber, dass
die zweifache, kommunikative Anwendung von ex ante Wissen, Geld
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mengen auf den Tisch legt. Wir wissen, wenn Wissen auf Wissen tri
(Wissen sich informell austauscht) entsteht Geld, verändert sich die
Welt. Kurz: Geld entsteht, wenn ex ante Wissen über ex ante Wissen
urteilt.
Die vorstehenden Ausführungen können nur ein Hinweis sein, wo
wir weitersuchen können, um die Wechselwirkung zwischen Abstrak
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tem und Konkretem aufzudecken. Letztlich ist die obige Frage, wie
eine gerade Linie in die Welt kommt, ungeklärt. Denn zur Nutzung
einer geraden Linie war kein zweites Gehirn zum Wechselspiel des
Wissens anwesend. Warum Menschen die Welt nach geraden Linien,
nach geistigen Inhalten gestalten können, bleibt also ungeklärt.
Der Vollständigkeit halber soll hier der Unterschied zwischen
der Gestaltung der Welt, wie sie z. B. durch Tiere mit ihrem Nestbau
geschieht und der Gestaltung der Welt durch den Menschen ange
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sprochen werden.
Im Gegensatz zu Menschen ändern Tiere (als die nächst höheren
Intelligenzien auf unserem Planeten) die Welt in Relation zu ihrer
Menge und nicht in Relation zu ihrem Wissen. Zweihundert Amseln
bauen doppelt so viele Nester wie einhundert. Sie haben damit auch
doppelt so viel Entropiemenge erzeugt. Physikalisch heißt das. Was
im Tier und Panzenreich zukünig an Weltveränderung geschieht,
ist durch die Vermehrung der jeweiligen Art bestimmt. Zukun ist
also in der nicht intelligenten Natur ein Ergebnis der Vergangenheit,
ist ein ex post Ergebnis. Es fehlt ihm der ex ante Teil. Was ein zu
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sätzlicher Mensch auf der Erde durch ex ante Wissen bewirken kann,
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MANIFEST FAIRE MARKTWIRTSCHAFT
ist nicht mit einer derartigen Mengenrelation einzufangen. So ist die
Neu gestaltung der zerstörten Umgebung im Umfeld der ehemaligen
Zwillingstürme in New York vorrangig den Vorstellungen und Ideen
eines Architekten zuzuschreiben. Da die Gesetze der Physik univer
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sell sind, könnten wir etwas prosaisch sagen: Wenn ferne Intelligen-
zien auf unsere Erde schauen, würden sie am Auf und Ab der Entro
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piewerte sehen, dass auch hier Intelligenz am Wirken ist.
Indem in der fairen Marktwirtscha Bildung als Ordnung von
Wissen selbst zu einem ökonomischen Wert wird, haben wir quasi
die Ordnung in unseren Köpfen selbst zur weiteren Quelle der Geld
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schöpfung und damit unseres Wohlstands gemacht.
Keine Dog-Food-Ketten
Hier wird erklärt, was es mit Dog-Food-Ketten auf sich hat und wel
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che Probleme sie verursachen.
Unmittelbar einsichtig ist, dass in einer fairen Marktwirtscha
hochqualizierte und sehr unterschiedliche Musikinstrumente nach
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gefragt werden, wenn zunehmend mehr Menschen das Spielen von
Musikinstrumenten erlernen. Im Fernsehen werden anspruchsvollere
Inhalte nachgefragt, wenn die Menschen einen vielfältigen Bildungs
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hintergrund haben. Restaurants können mit unterschiedlicheren
Angeboten aufwarten, wenn Menschen über den Wert von Nahrungs
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mitteln, deren Zusammensetzung und Zubereitung informiert sind.
Bildungsreisen werden zunehmen, wenn Menschen sich verstärkt in
fremden Sprachen ausbilden. Kurz, eine kulturell breit aufgestellte
Gesellscha fragt mehr dierenzierte Produkte nach, womit das in
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nere, qualitative Wachstum gegenüber dem externen, quantitativen
Wachstum an Bedeutung gewinnt.
Im Gegensatz dazu stehen Dog-Food-Ketten. Sie sind gekenn
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zeichnet durch eine große Zahl von Konsumenten, die ein ähnliches
Nachfrageverhalten an den Tag legen und sind gekennzeichnet durch
Produzenten, die massenweise produzieren, was in gleicher Art und
Qualität nachgefragt wird. Können sich Produzenten auf eine be
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grenzte Menge von massenweise vorhandenen Kundenwünschen